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KWA Stift im Hohenzollernpark
Leben - so wie ich es will im KWA Stift im Hohenzollernpark

"Dialog im Stift" mit Anne Will

Anne Will ist eine der erfolgreichsten und beliebtesten Persönlichkeiten des deutschen Fernsehens. Jetzt war sie zu Gast im KWA Stift im Hohenzollernpark.

Berlin, im November 2018. – Kein anderer Gast hatte bislang bei der Talkreihe "Dialog" ein derart großes Publikumsinteresse hervorgerufen. Laufend mussten neue Stühle herbeigeholt werden, um zusätzliche Sitzgelegenheiten im großen Saal zu schaffen. Fast zwei Stunden Zeit nahm sich Anne Will, um mit dem Journalisten Reinhard von Struve über ihre Talkshow und ihre Karriere zu sprechen und im Anschluss in kleiner Runde noch manches Thema zu vertiefen.

Ohne Starallüren zeichnet Anne Will ihren Berufsweg nach, lässt die Zuhörer hinter die Kulissen ihrer Sendung blicken und schildert freimütig und selbstkritisch ihre Gesprächsführung. Dabei gibt es wiederholt Anlass zum Lachen, wenn sich die langjährige Talk-Gastgeberin und frühere Sportschau- und Tagesthemen-Moderatorin an Momente erinnert, in denen ihr die Kontrolle über das Geschehen im Studio zu entgleiten drohte.

"Wie vor einer Abschlussprüfung"

Will berichtet, dass das Thema für die Sonntagssendung oft erst am Mittwoch davor feststeht. Dann recherchiert Will mit ihrer zwölfköpfigen Redaktion, welche Punkte geklärt werden sollen und welche Gäste dazu passen könnten. Um nicht betriebsblind zu werden, konfrontiert die Journalistin Kollegen, Freunde und auch ihre 82-jährigen Eltern mit der Frage: "Was würde euch an dem Thema interessieren?" Zwei Tage vor der Sendung hat sie – wie sie sagt – einen dicken Ordner mit Artikeln und Informationen über ihre Gäste auf dem Tisch: "Ich muss mir das dann alles draufschaffen und es kommt mir immer wie eine kleine Abschlussprüfung vor."

Ohne "Knopf im Ohr"?

Die Arbeit vor der Kamera bestreitet Anne Will seit 25 Jahren mit einem "Knopf im Ohr", einem Miniheadset, das sie mit ihrer Redaktion verbindet. Auf diese Weise kann sie aktuelle Ereignisse in die laufende Sendung hineinnehmen – wie kürzlich Horst Seehofers Ankündigung, den CSU-Vorsitz abzugeben. Aber die Kollegen informieren sie auch über Reaktionen der Gäste im Studio, die sie nicht sehen kann, weil sie sich gerade auf einen Gast konzentriert. Und schließlich dient der "Knopf im Ohr" auch dem Faktencheck. Wenn Zahlen genannt werden, die nicht stimmen, macht das Team Will darauf aufmerksam. 

Ob es auch passiert, dass es die akribische Vorbereitung gar nicht gebraucht hätte, weil ein Gespräch ganz anders verläuft als geplant, möchte von Struve wissen. Anne Will bejaht und betont, dass sie darüber gar nicht traurig sei: "Ein Gespräch, das nicht von den vorbereiteten Fragen lebt, sondern vom Umgang mit den Antworten, ist das Ideal. Ich möchte, dass es spannend ist."

Keine Lust auf Fernsehen

Ihre ersten journalistischen Gehversuche ähneln denen der meisten Kolleginnen und Kollegen: Lokalzeitung, Studium, Rundfunkvolontariat. Dann fiel einem Vorgesetzten beim SFB in Berlin ihr Talent zur Moderation auf und Anne Wills Karriere startete durch.

Obwohl sie lieber Radio machen wollte und zunächst gar keine Lust auf das Fernsehen hatte: Talk-Sendungen in dritten Programmen, erste Frau bei der Sportschau und schließlich ARD-Tagesthemen. Da waren Hajo Friedrichs und Gabi Bauer ihre Vorbilder. Aber wichtig war ihr – wie sie sagt – immer auch der eigene Stil: über schwierige Themen in möglichst einfacher und verständlicher Sprache zu berichten. "Dazu kam ein gewisser Witz. Die Dinge nicht bierernst nehmen, man muss gelegentlich auch mal lachen können, das wollte ich." So erinnert sie an ihr ironisch gemeintes Hochziehen einer Augenbraue, wenn sie die Argumente eines Gesprächspartners völlig neben der Sache findet.

Neuer Sendeplatz sorgte für Ärger

Nach vier Jahren als Nachfolgerin von Sabine Christiansen auf dem Talk-Sendeplatz nach dem Sonntagskrimi kam 2011 das unerwartete Aus: Der NDR als zuständiger Sender verschob "Anne Will" auf den Mittwoch, den Sonntagssendeplatz erhielt Günther Jauch. Will erfuhr das erst auf Umwegen während eines USA-Aufenthalts. "Diese Kommunikation fand ich daneben", erinnert sie sich. Sie beschwerte sich beim NDR und erhielt eine Entschuldigung des Intendanten. Vier Jahre später kehrte Jauch der ARD den Rücken und Will wurde wieder der Sonntagstermin angeboten. Jetzt war sie nach eigenen Worten in einer starken Position. Sie setzte durch, dass der NDR keinen Druck mit der Einschaltquote macht. Trotzdem sagt sie: "Natürlich schaue ich mir die Quoten an, allein schon um zu sehen, für welche Themen sich die Zuschauer begeistern. Aber ich mache mich nicht davon abhängig."

Griff in die Trickkiste bei Wirtschaftsminister Altmaier

Wie sie es schaffe, Dauerredner in ihrer Sendung zu stoppen, lautet zum Abschluss des "Dialogs" eine Frage aus dem Publikum. Es sei total schwer, räumt die Talk-Gastgeberin ein, die goldene Mitte zwischen unhöflichem Unterbrechen und endlosem Ausredenlassen zu finden. Bei Wirtschaftsminister Peter Altmaier habe sie mal tief in ihre Trickkiste gegriffen und ihn am Arm gepackt, um ihn zu stoppen. Normalerweise irritiere das jeden. Altmaier habe aber weitergeredet - bis sie ihm das Wort abschnitt mit der Bemerkung, wenn er sich im Studio umsehe, könne er überall ihren Namen an der Wand lesen, denn das sei ihre Sendung. Er müsse jetzt aufhören. Daraufhin klatschte und lachte das Publikum damals im Studio genauso wie die Zuschauer im KWA Stift im Hohenzollernpark. Damit war die Situation gerettet. Altmaier habe das im übrigen "professionell weggesteckt", erinnert sich Anne Will. Nach der Sendung seien beide freundlich aufeinander zugegangen.

Nicht jeder schafft es in die Sendung

Eine andere Frage lautet, ob sie auch bestimmte Politiker als Gäste ausschließe. Grundsätzlich nicht, ist ihre Antwort. Aber wenn jemand schon woanders gerade zu dem aktuellen Thema aufgetreten sei und sich dort nur selber produziert habe, dann sage sie: "Den will ich nicht."


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