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Dialog im Stift mit Bezirksbürgermeister Naumann: „Nicht wählen bedeutet, anderen die Entscheidung zu überlassen“

Dreieinhalb Wochen vor den Wahlen in Berlin war Reinhard Naumann Gast beim Dialog im KWA Stift im Hohenzollernpark, der Bürgermeister des zuständigen Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Zum Hinweis des Moderators Reinhard von Struve auf die sinkende Wahlbeteiligung, sagt Naumann, dass er kein Patentrezept hat: „Ich ärgere mich zwar auch über manche Dinge in Berlin, aber dass jemand gar nicht zur Wahl geht, das kann ich nicht nachvollziehen. Wer nicht wählt, überlässt anderen die Entscheidung und stärkt die Extreme."

Berlin, August 2016. – Weil nicht nur Erstwähler sich gelegentlich täuschen, betont Naumann noch einmal ausdrücklich die Unterschiede der drei Stimmen, die jeder Wähler hat: Am wichtigsten sei die Zweitstimme, denn sie entscheidet über das Kräfteverhältnis der Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Erststimme hingegen dient dazu, einen Kandidaten des Vertrauens direkt ins Abgeordnetenhaus zu wählen; sie oder er könne auch von einer anderen Partei sein. Die dritte Stimme schließlich legt die Zusammensetzung der Bezirksverordnetenversammlung fest, also des Parlaments von Charlottenburg-Wilmersdorf. Vor fünf Jahren bekam dort zwar die CDU mehr Stimmen als die SPD, trotzdem wurde der SPD-Politiker Naumann Bürgermeister, weil er sich auf eine Koalition mit den Grünen stützen konnte.

Nach dem Erwachen seines Interesses für die Politik gefragt, erinnert sich der gebürtige Berliner schmunzelnd an ein Weihnachtsfest als Zwölfjähriger. Damals schnitt er aus der Zeitung Politikerfotos aus, beklebte damit die kleinen Lego-Häuschen seiner Eisenbahnanlage und spielte „Wahlkampf“. Ein paar Jahre später, bei der Berufsberatung, wusste er schon genau, er wollte einmal Pfarrer werden wie sein Vater oder aber Stadtrat. Beide Berufe hätten mit dem zu tun, was ihm am wichtigsten sei: Zukunft gestalten und Kontakt mit Menschen.

„Beim Wohnungsbau kleckern wir jetzt hinterher“

Naumann berichtet dann von Erfolgen und Misserfolgen beim „Zukunft gestalten“. So habe sein Bezirk zusammen mit anderen schon in den neunziger Jahren einen verstärkten Bau von Wohnraum vom Berliner Senat gefordert. Die Bezirke, die den Mangel an der Basis wie Seismographen direkt spürten, drangen damit aber beim Senat nicht durch, weil sich zwischenzeitlich die Zuwanderung nach Berlin etwas abschwächte. Als sich der Trend wieder umkehrte, konnte die Stadt die fehlenden Wohnungen vor allem für junge Familien nicht aus dem Boden stampfen. Naumann räumt ein: „Da kleckern wir jetzt hinterher.“

Gelegentlich verzweifelt der Politiker auch an den Verantwortlichen auf Bundesebene. Monatelang sei eine Entscheidung über die Finanzierung der Flüchtlingshilfe verschoben worden. Jetzt endlich habe der Bezirk für den Rest des Jahres eine halbe Million Euro für Nachbarschaftsinitiativen zugewiesen bekommen und für nächstes Jahr das Doppelte.

„Wir haben das dann zu viert gewuppt“

Der Personalabbau im öffentlichen Dienst der vergangenen Jahre ist auch an Naumann nicht vorbeigegangen. Die Arbeit von ursprünglich sieben hauptamtlichen Bezirksstadträten müssten heute fünf erledigen und in Charlottenburg fehlte eine der fünf Kräfte ein Jahr krankheitsbedingt. „Wir haben das dann zu viert gewuppt“, berichtet Naumann, räumt jedoch ein, dass die Arbeitswochen mit ständig 60 bis 80 Stunden allen „auf die Knochen gingen“.  Zeit zum Erholen und für die Familie bleibe da kaum. Er empfiehlt einen Blick nach Skandinavien. Dort lebe man nicht um zu arbeiten, sondern arbeite um zu leben. Darüber sollte eine gesamtgesellschaftliche Debatte in Gang kommen, wünscht sich der Politiker.

Zum Ausklang beantwortet Naumann Fragen des zahlreich erschienenen Publikums. Kritik an wenig aussagekräftigen Wahlplakaten bezeichnet er als bewusstes Konzept der PR-Verantwortlichen. So schaffe man Aufmerksamkeit. Dann appelliert er seine Zuhörer, nur demokratische Parteien zu wählen. Trotz aller Probleme in der Gesellschaft dürften sich Rücksichtslosigkeit und Ausgrenzung nicht durchsetzen. Das Ziel seiner Politik sei vielmehr, Brücken zu bauen zwischen den Generationen, Kulturen und Ethnien.

Den Vorwurf heruntergekommener Schulen und Kindergärten weist Naumann für Charlottenburg zurück. Er kenne das aber aus anderen Bezirken. Dem Ärger über Berliner Bausünden und verantwortungslosem Taktieren von Investoren schließt er sich an. Zum Abschluss lädt Naumann zu den Kiezspaziergängen ein, die seit Jahren mit dem Bezirksbürgermeister stattfinden, jeden zweiten Sonnabend im Monat.

 

 


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