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Pflegepraxis zeigt Stärken und Schwächen des PSG II

Ein Jahr nach der Einführung des 2. Pflegestärkungsgesetzes sieht die Politik dieses Gesetz als vollen Erfolg für die Pflegebedürftigen in unserem Land. Insbesondere Menschen mit Demenz hätten profitiert. Auch die Zahl der Leistungsempfänger hat nachweislich deutlichen Zuwachs erhalten.

Bad Nauheim, im Dezember 2017. - Bei genauerer Betrachtung zeigt sich ein differenziertes Bild sowohl mit Licht als auch mit Schatten. Mit Inkraftsetzen des Pflegestärkungsgesetzes II wurde unter anderem ein neues Instrument zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit eingeführt. Das doch sehr subjektive und streitbare System der Bewertung von Hilfeleistungen in Minuten zur Ermittlung der Pflegestufe wurde abgelöst. Das war ein richtiger Schritt, der hin zu dem jetzigen modularen System führte, bei dem die noch vorhandenen Ressourcen als Grundlage eines Pflegegrades dienen. Vereinfacht gesagt wird primär begutachtet, was der Mensch noch kann, nicht welche Defizite er hat. Für diese Art der Begutachtung wurden sechs Module gebildet. 

Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (Modul 2) dienen aufgrund der Gewichtung maßgeblich zur Ermittlung des Pflegegrades. Dies ist von Vorteil für Menschen mit demenzieller Veränderung. Das Problem dieses Verfahrens ist, dass zum einen eine prozentual unterschiedliche Gewichtung der Module als auch die Berechnung mittels eines Algorithmus nur durch eine Software möglich ist. Dies wird als intransparent empfunden.

Gut gelungen war für die Leistungsempfänger der Übergang von der Pflegestufe zu den Pflegegraden mit einem Bestandsschutz für Personen, die bereits eine Pflegeeinstufung hatten. Es zeigt sich jedoch inzwischen, dass bei Neubegutachtungen hohe Pflegegrade anteilig abnehmen, ergo die Leistungsbeträge der Pflegekasse dementsprechend niedriger ausfallen. 

Ungelöst ist nach wie vor ein bundeseinheitlicher Personalschlüssel in der stationären Pflege. Dies hat zur Folge, dass Pflegebedürftige mit gleichem Pflegegrad in Brandenburg gegenüber Baden-Württemberg weniger Pflegezeit / Personal zur Verfügung steht. 

Seitens der Politik wurde konsequent der Grundsatz ambulant vor stationär weiter fortgeführt. Die Kombination von ambulanten Leistungen in Verbindung mit Tagespflege ermöglicht den Pflegebedürftigen eine bessere Versorgungsstruktur als je zuvor. Das Problem hierbei ist jedoch, wenn die Schaffung von Tagespflegestätten durch ein föderalistisches System erschwert wird. So zum Beispiel in Hessen. Kaum eine neue Tagespflege kann eröffnet werden, weil Landesregelungen mit Bauverordnungen die Hürden zu hoch legen.

Ein Stärkungsgesetz der Pflege bei demografisch bedingter steigender Nachfrage, das den bestehenden Fachkräftemangel nicht berücksichtigt und auch dort keine Anreize schafft, ist zu kurz gedacht. Auch die tiefgreifenden Änderungen durch das Gesetz zur Reform der Pflegeberufe – unter anderem die Umstellung auf eine generalistische Pflegeausbildung – bergen neue Herausforderungen und scheinen bei der bestehenden Problemlage eher kontraproduktiv. Es ist Zeit, die Pflege als Beruf zu stärken. Nur dann wird der Nachfrage auch ein adäquates Angebot gegenüberstehen.

Autor: Andreas Lorz
Erschienen in: Alternovum 3/2017


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