Ihre berufliche Zukunft bei KWA

KWA Kollegiale Beratung

Im KWA Luise-Kiesselbach-Haus in München

Das KWA Luise-Kiesselbach-Haus möchte mit dem Angebot kollegialer Beratung seine Pflege- und Betreuungsmitarbeiter dabei unterstützen, die psychischen Belastungen der Betreuungs- und Pflegetätigkeit besser bewältigen zu können und (psychisch) gesund zu bleiben. Parallel dazu werden die vielen positiven Aspekte des Berufes wieder verstärkt in den Vordergrund gerückt. Damit sich möglichst alle, die Freude am Beruf haben, sich diese Freude erhalten. 

Kollegiale Beratung: die Ausgangslage

Belastungssituationen entstehen häufig dann, wenn Mitarbeiter über einen längeren Zeitraum hinweg den Eindruck haben, den beruflichen Anforderungen nicht mehr gerecht zu werden. Hier wirken Arbeits- und Zeitdruck, Erwartungshaltung, der eigene ethische Maßstab, die Zusammenarbeit im Team, Strukturen der Organisation und noch viele weitere Faktoren zusammen und können ein negatives Grundgefühl erzeugen. Phänomene der Gewalt, Drohungen, Krisen, Konflikte oder andere belastende Situationen können zu anhaltenden Stresssituationen führen. Falls die Ursachen bzw. Trigger und Probleme nicht nachhaltig bearbeitet und gelöst werden, wird eine Spirale der Unzufriedenheit und Überforderung in Gang gesetzt.

KWA Kuratorium Wohnen im Alter führte im Rahmen des Arbeitsschutzgesetzes im Jahr 2017 eine psychische Gefährdungsbeurteilung aller Mitarbeiter durch. Die Ergebnisse zeigten, dass die Mitarbeiter eine geringe Fehlbelastung im Bereich "psychischer Gewalt" wahrnehmen. Als geringe Fehlbelastung gilt eine Belastung, die vom Mitarbeiter ausgeglichen werden kann und mit der der Mitarbeiter noch zurechtkommt. Obwohl das Ergebnis der Mitarbeiterbefragung aus der Systematik der Gefährdungsbeurteilung kein akutes Handeln erforderte, wurde das Thema im KWA Luise-Kiesselbach-Haus dennoch aufgegriffen: weil alle das Gefühl hatten, dass es sich lohnen könnte.

Zunächst wurde ein Arbeitskreis mit Mitarbeitern der Pflege und Betreuung gebildet, der sich zuallererst mit der Definition des Begriffs „Gewalt“ und den verschiedenen Ausprägungen beschäftigte. Von Gewalt sind sowohl Pflegebedürftige als auch Pflegende betroffen. Das Phänomen beinhaltet dabei nicht nur die häufig damit in Verbindung gebrachten körperlichen Zwänge, Misshandlungen oder Vernachlässigungen, sondern bezieht sich auch auf verbal aggressives und als demütigend oder respektlos empfundenes Verhalten, als auch auf finanzielle Ausbeutung und sexuelle Übergriffe. Auch freiheitsentziehende Maßnahmen, Einschränkungen der Entscheidungsautonomie und Selbstbestimmtheit werden unter dem Begriff der Gewalt subsumiert.

Kollegiale Beratung: wichtige Schritte

Zielsetzung des Arbeitskreises war: Maßnahmen zum Umgang mit Gewalt zu erarbeiten, wobei folgende Teilziele festgelegt wurden:

  • Ein angenehmes (Betriebs-) Klima schaffen, damit Konflikte frühzeitig erkannt und benannt werden.
  • Eine offene Gesprächs- und Vertrauens-Kultur aufbauen. Angst, Schuld- und Schamgefühl sollen abgelegt und gemeinsam nach Lösungen gesucht werden.
  • Innerbetriebliche Sensibilität und eine gemeinsame Haltung zum Umgang mit Bewohnern, Angehörigen, kooperierenden Berufsgruppen und Kollegen schaffen.
  • Maßnahmen erarbeiten, die betroffenen Mitarbeitern Hilfestellung bieten: sowohl Hilfe zur Selbstpflege als auch Hilfe vom Arbeitgeber.
  • Maßnahmen erarbeiten, wie auch „Nicht-Mitarbeiter“ (z. B. Angehörige) über das Thema informiert und einbezogen werden können.

Um diese Teilziele erreichen zu können, wurde im nächsten Schritt ein Leitbild erarbeitet. Es spiegelt die Werte wider, die den Mitarbeitern wichtig sind. Das Leitbild gilt für Mitarbeiter, Bewohner und Angehörige gleichermaßen als gemeinsame Basis der Zusammenarbeit. Es ist in den Wohnbereichen für alle gut sichtbar angebracht, um die gemeinsame Basis nicht nur im übertragenen Sinn, sondern real vor Augen zu haben.             >> ZUM LEITBILD

Kollegiale Beratung: in Gruppen

Im KWA Luise-Kiesselbach-Haus sind bereits zahlreiche Maßnahmen und Instrumente etabliert, die Mitarbeiter im Umgang mit psychischen Belastungen unterstützen: Fortbildungen, Fallbesprechungen, Teambesprechungen, Beratungsgespräche mit Bewohnern und Angehörigen. Doch die Arbeitsgruppe hat eine ergänzende Möglichkeit gefunden und eingeführt, die auf lange Sicht zu einem entscheidenden Baustein werden kann im Umgang mit psychischen Belastungen: Kollegiale Beratung. Zwei Gruppen „Kollegiale Beratung“, die wohnbereichsübergreifend und multiprofessionell besetzt sind, wurden gebildet. Die ersten Treffen der kollegialen Beratungsgruppen wurden von einem externen Trainer begleitet, um Unterstützung zu bieten, die Methodik gut und richtig umzusetzen.

Die kollegialen Beratungsgruppen treffen sich mindestens monatlich und diskutieren Situationen, die Mitarbeiter einbringen und als belastend empfunden werden. Themen sind häufig die Zusammenarbeit im Team, Situationen mit Bewohnern oder Angehörigen, oder belastende Betreuungs- und Pflegesituationen. Durch den Austausch werden unterschiedliche Perspektiven beleuchtet und mögliche Handlungsoptionen aufgezeigt. Der Mitarbeiter kehrt mit einer neuen Perspektive in den Arbeitsalltag zurück und beeinflusst dadurch auch die Wahrnehmung und Handlungen seines Teams. „Die eigene Perspektive ist immer unvollständig“, sagt Alexander Gerst in seiner Botschaft an seine Enkelkinder aus dem Weltall. Dieser Aspekt der Perspektive ist auch im Pflegealltag ein wesentlicher.

Durch eine veränderte Perspektive kann ein neuer Weg zur Lösung eines Problems gefunden und vereinbart werden. Dadurch werden die Haltung und das Verhalten kontinuierlich beeinflusst und die belastenden Situationen als veränderbar erlebt. Die Arbeitskultur wird dadurch mehr und mehr an einem gemeinsamen ethischen Kompass orientiert. Durch diese Möglichkeiten werden die belastenden Situationen bearbeitet und kumulieren sich nicht. So wird die Stressspirale unterbrochen. Die Mitarbeiter reflektieren Situationen, erhalten neue Perspektiven und lösen stressauslösende Situationen auch durch die Erfahrung, dass diese Punkte offen besprochen werden können und Lösungen möglich sind.

Kollegiale Beratung: die Methode

Die Methode "Kollegiale Beratung“ findet in den Bereichen Medizin, Psychologie, Pädagogik und Sozialarbeit bereits seit einiger Zeit Anwendung, ist in der Pflege jedoch noch wenig bekannt und verbreitet. Diese Methode bietet unseres Erachtens die Möglichkeit, mit den wachsenden Anforderungen und den beruflichen Herausforderungen von Pflege besser zurechtzukommen und damit zur Zufriedenheit und Gesundheit der Mitarbeiter beizutragen. 


Kollegiale Beratung ist eine systematische Reflexion und Lösung von beruflichen Problemen und Geschehnissen – von Kollege zu Kollege. Zwei Leitgedanken liegen der Kollegialen Beratung zu Grunde:

  1. Personen beraten sich unter Einhaltung einer bestimmten Struktur und klar voneinander abgegrenzten Rollen gegenseitig. 
  2. Personen mit einem gleichen Berufsfeld sind in der Lage, sich gegenseitig und ergebnisorientiert zu beraten. 

Kollegiale Beratung ist ein niederschwelliges Angebot, das ohne zusätzliche externe Begleitung stattfindet und darauf vertraut, dass die Mitarbeiter das notwendige Wissen und Methodenkompetenz haben oder entwickeln, um Belastungssituationen zu reduzieren. Die Methode fördert die Fähigkeit zur professionellen Kommunikation und Kooperation, die heute zu den Schlüsselqualifikationen im Pflegebereich gehören. Der Beratungsansatz lässt sich gut in den organisatorischen Rahmen der Pflegeeinrichtung integrieren, weil feste kollegiale Beratungsgruppen gebildet werden, die sich regelmäßig treffen und als problematisch empfundene Situationen systematisch reflektieren und Lösungen finden. Dadurch werden die Selbsteinschätzung und das Selbstvertrauen gestärkt. Dies fördert die Teamentwicklung, stärkt den Zusammenhalt, schafft eine offene Gesprächskultur und das notwendige Vertrauen, um Probleme offen ansprechen zu können und angebotene Unterstützung anzunehmen. 


Die Sichtweise und das Kommunikationsverhalten der Mitarbeiter der kollegialen Beratungsgruppen werden kontinuierlich weiterentwickelt und gestärkt. Dies hat ebenso positive Auswirkungen auf die Kommunikationskultur und Problemlösekompetenz der Kollegen, die nicht an den kollegialen Beratungsgruppen teilnehmen. Die Teilnehmer der Beratungsgruppe verändern ihre Perspektive und ihre Haltung gegenüber Situationen, die als belastend empfunden werden und finden dadurch bessere Lösungen. Dies fördert das Selbstbewusstsein des Einzelnen und der Gruppe, Probleme und schwierige Situationen gemeinsam meistern zu können. Dadurch werden Erfolgserlebnisse geschaffen. (Vgl. Tietze, Kim-Oliver. Kollegiale Beratung – Problemlösung gemeinsam entwickeln. Reinbeck: Rowohlt, 2003.)

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