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Ziel des MDK: Für den Laien verständliche Bewertungen

Beim KWA Symposium 2018 in München als Referenten: Dr. Bernhard Opolony vom Bayerischen Gesundheitsministerium, Ingeborg Germann vom Rheinland-Pfälzischen Sozialministerium, Reiner Kasperbauer vom MDK Bayern, Prof. Dr. Thomas Klie vom Institut agp Sozialforschung und KWA Pflegeexpertin Bianca Jendrzej.

München, 9. Februar 2018. – Der Geschäftsführer des MDK Bayern, Reiner Kasperbauer, hat die bundesweite Arbeitsgruppe zum neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff geleitet. „Qualitätsprüfungen in Krankenhäusern stehen vor der Tür“, so Kasperbauer. Auch der Übergang von Einrichtungen ins Krankenhaus und zurück in die ambulante Pflege soll in den Fokus genommen werden. Mit Blick auf stationäre Pflege bezog der MDK-Chef sich auf die Haltung des Symposiumsgastgebers KWA: „Wir sind Ihrer Meinung: Pflegequalität kann man nicht hineinprüfen in Einrichtungen.“

Der MDK ist zwar dem Bundesrecht unterworfen, die Bundesländer verfolgen laut Kasperbauer jedoch unterschiedliche Prüfinteressen. Bei Prüfberichten stelle sich die Frage: Kann die der Laie lesen? „Wir müssen es schaffen, dem Laien künftig verständliche Bewertungen vorzulegen.“ Dass man Prüfergebnisse mit Noten nur sehr reduziert abbilden könne, darauf habe man schon früh hingewiesen. Da sei er gleicher Meinung wie Deutschlands bekanntester Pflegekritiker Claus Fussek, welcher rät: „Gehen Sie ins Haus“ – um sich selbst ein Bild von der Einrichtung zu machen. Angehörige legen ohnehin andere Kriterien an als Prüfende. Manchmal entscheidet bei der Einrichtungswahl der Preis, so Kasperbauer. Doch: „Egal wie teuer oder billig der Preis ist: Die Qualität muss stimmen!“

Das zweite Pflegestärkungsgesetz sieht die Erarbeitung eines neuen Prüfkonzepts unter wissenschaftlicher Begleitung vor. Zunächst sollen Ergebnisindikatoren gefunden werden, danach sind Richtlinien auszuarbeiten. Kasperbauer hofft, dass bei alldem die Bewohner von Einrichtungen im Mittelpunkt stehen. „Die Frage der Bewohnerbeteiligung ist noch nicht gelöst.“ Kasperbauer sieht den MDK „durchaus als Advokat der Pflegebedürftigen“. Wichtig sei, nicht zu nahe an der Politik zu sein.

Kasperbauer möchte, dass der MDK künftig gemeinsam mit der staatlichen Fachstelle (FQA) Qualitätsprobleme identifiziert und dann auch gemeinsam in die jeweilige Einrichtung geht. Die Personalbemessung werde ein ganz großes Thema sein. – Dazu Thomas Klie: „Bisher haben wir einen ineffizienten Fachkräfte-Einsatz. Mit Personalbemessungssystemen wird das zementiert.“ Reiner Kasperbauer erläuterte, wo man diesbezüglich steht: In Zusammenarbeit mit der Uni Bremen sollen 45 vollstationäre und 15 teilstationäre Einrichtungen untersucht werden. 2.500 Bewohner sollen in die Stichprobe kommen. Auf dieser Basis wird eine bewohnerbezogene Pflegeplanung erfolgen, mit 3 Schichten und Wochenende. „Das muss Ende des Jahres auf den Tisch.“ 

Bianca Jendrzej, Leiterin der Abt. Qualität, Prozesse, Strukturen bei KWA Kuratorium Wohnen im AlterBianca Jendrzej leitet bei KWA die Abteilung Qualität, Prozesse, Strukturen. „Wir von KWA sehen es so: Der MDK definiert Mindeststandards. Auf Basis der Frage ‚Was ist gutes Leben?‘ versuchen wir bei unserer internen Qualitätssicherung, von einer intuitiven Beurteilung zu Qualitätsindikatoren zu kommen.“ Man habe auf das internationale System RAI umgestellt, um gute Pflege darstellen zu können. Fragebögen zu verschiedenen Bereichen des Lebens werden in Bezug zueinander gestellt. Das halte man bei KWA für den richtigen Weg. 

Nach dieser Einführung beschrieb Jendrzej, wie Prüfungen nach ihren Erfahrungen in der Praxis ablaufen. Auch wenn Prüfende in der Regel freundlich auftreten: Immer wieder werden Prüfungen von Emotionen begleitet und dann gelinge es nicht mehr, auf die Ebene einer nüchternen Analyse zu kommen. Wenn beispielsweise ein Bewohner weint – vielleicht nur, weil er mit der Situation überfordert ist – werten Prüfende das als Indikator dafür, dass in der Pflege etwas nicht stimmt. 

Eine grundsätzliche Schwierigkeit besteht darin, dass bei kurzfristig angekündigten Prüfungen oft nur 1 Person zur Beantwortung der Fragen mehrerer Prüfenden freigestellt werden kann. Wenn nach der Prüfung der ambulanten Pflege im Anschluss gleich die stationäre Pflege geprüft wird, sieht Jendrzej das als große Herausforderung: Dadurch werden Leitungskräfte eine Woche lang gebunden. Auch nächtliche Prüfungen sieht sie kritisch. „Wenn um 1 Uhr nachts 2 Personen kommen, nur um zu schauen, ob die auch da sind, die eingetragen sind“, spreche das nicht für Vertrauen. Unangemessen sei in einem anderen Fall beispielsweise auch die Reaktion auf ein technisches Problem gewesen: Aufgrund eines Server-Updates konnte während der Prüfung in der ambulanten Pflege die Pflegedokumentation nicht aufgerufen werden. Die Reaktion der Prüfinstanz war ein Maßnahmenbescheid zum Sofortvollzug der Kassen. 

Ein für KWA unlösbares Problem sei, dass man – wenn jemand klingelt – auch mal Bedarfsleistungen erbringt, ohne zu sagen, man müsse dazu vorher erst einen Kostenvoranschlag machen. Das größte Problem sei jedoch die Fachkraftquote. Die werde unterschiedlich ausgelegt, das sorge für Unsicherheit. Ist die 50-%-Quote in jeder Schicht einzuhalten? Oder über den Monat gesehen? Eine Fachkraft pro Schicht pro Wohnbereich – wie in Baden-Württemberg verlangt – werde sich nicht halten lassen. Das wäre in einem der betrachteten KWA Stifte nur mit einer Fachkraftquote von 67 % zu realisieren. Die Bewertung von Qualifikationen muss aus KWA-Sicht geändert werden, sodass der Kreis der Personen, die als Fachkräfte gelten, erweitert wird.

Am abschließenden Podiumsgespräch nahmen teil: die Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner, der Vorsitzende der Vereinigung der Pflegenden in Bayern Georg Sigl-Lehner, der Pflegebeauftragte der Bayer. Staatsregierung MdL Hermann Imhof, Tobias Lechner von der FQA der Stadt München sowie der Fachjournalist Holger Göpel. Ein Bericht dazu hier auf der Website in Kürze.

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