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„Es gibt für jede Krankheit einen Doktor – für Einsamkeit nicht“ (Seite 3)

Abi Ofarim als Festredner beim 45. Hausgeburtstag im Ottobrunner Seniorenwohnstift KWA Hanns-Seidel-Haus – Grußworte von Bürgermeister Thomas Loderer, Pfarrer Michael Rabe, der Stiftsbeiratsvorsitzenden Dr. Susanne Eick-Wildgans und KWA Vorstand Horst Schmieder

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Ja, und dann kam er, der Stargast: Abi Ofraim. Bärtig, langhaarig, mit Gitarre. Überraschender Weise packte er jedoch keinen Song von einer seiner 59 goldenen Schallplatten aus, sondern zunächst ein Skript für eine Ansprache. Und er hatte etwas zu berichten, das klarmachte, weshalb Ursula Cieslar ausgerechnet ihn um eine Festrede gebeten hatte. Dazu holte der Gast aus: „Bis vor zwei Jahren war ich Spezialist für Kinder.“ Er hatte immer ein Herz für Kinder. Und immer im Kopf: Kinder, Kinder, Kinder. Er habe viele Wohltätigkeitskonzerte zugunsten von Kindern gegeben, für die UNESCO, für Vereine. Doch vor rund zweieinhalb Jahren hatte er ein Schlüsselerlebnis, das ihn in eine andere Richtung lenkte. „In einer Boulevard-Zeitung stand: Unsere Senioren – Abfall der Gesellschaft. Da habe ich mir gedacht: Mein Gott, wo lebe ich. Das war so unverschämt. Da kochte bei mir alles.“ Die Empörung und Wut ist offenkundig bis heute nicht verraucht: Nicht nur die Stimme, sondern der ganze Mensch Abi Ofarim bebte, als er dies berichtete.

Abi Ofarim initiierte als Antwort auf die zunehmende Verarmung und Vereinsamung alter Menschen: KINDER VON GESTERN - "Deutschlands 1. Jugendzentrum für Senioren"

Er habe dann auch wahrgenommen, dass die Menschen, die nach dem Krieg Deutschland wiederaufgebaut haben, heute zum Teil kaum noch ihre Miete zahlen können, insbesondere nach Sanierungen. So hat er beispielsweise eine Frau kennengelernt, die sich den ganzen Monat nur mit Toastbrot und Ketchup ernährt hat, um finanziell über die Runden zu kommen. Besonders schockiert haben ihn die Aussagen eines Mannes in einer Fernsehdokumentation: Selbiger hat seine Mutter nach Rumänien in ein Altenheim gebracht. Auf die Frage, wie das funktioniert, wenn die Mutter etwas braucht und sich nicht verständigen kann, habe der Sohn geantwortet: Meine Mutter versteht sowieso keiner. Die ist dement. Abi Ofarims Überzeugung: Es gibt Situationen wo man Hilfe braucht, wo man Menschlichkeit braucht. Gleichzeitig hat er erkannt: „Für Kinder in unserem Alter macht man sehr wenig.“ Deshalb hat er entschieden, etwas für alte Menschen zu tun. Und dank der Unterstützung von Lebensgefährtin und Managerin Kirsten Schmidt sowie von Menschen, die die Initiative des Paares ideell und finanziell mittragen, ist etwas Wunderbares gelungen: das Projekt „Kinder von gestern“.

So gibt es heute in Schwabing einen Treffpunkt für alte Menschen: „Deutschlands 1. Jugendzentrum für Senioren“. Hier können die Gäste nicht nur der Einsamkeit entrinnen und unbeschwert zusammensitzen, sondern auch kostenlos essen und trinken. – Wer kann, gibt eine Spende. Es gibt auch Malkurse, Lesungen, Vorträge, Gesangsabende, Fitnessangebote und Beratung. Mit Zeit- oder Geldspenden kann sich jeder einbringen, der das Projekt unterstützen möchte. Mehr dazu auf kindervongestern.de.

Abi Ofarim wünscht sich für den Umgang mit alten Menschen: Respekt, Herzlichkeit und Würde

Wie groß der Bedarf nach Gemeinschaft ist, verdeutlicht Ofarim mit Zahlen: „In München gibt es über 100.000 Singles. Allein lebende, einsame Leute.“ Und mit einem Satz, der nachdenklich stimmt: „Es gibt für jede Krankheit einen Doktor – für Einsamkeit nicht.“ Dabei hat Ofarim drei Aspekte im Fokus: Respekt ist wichtig. Herzlichkeit ist wichtig. Und: Den Menschen, die das Land aufgebaut haben, ihre Würde zurückzugeben.

Mit Gitarre und Gesang schloss der Gast seine berührenden Ausführungen ab: „Morning of my Life“ und „Mama“ fügten sich nahtlos ins Thema. Das Projekt „Kinder von gestern“ ist von der Robert Bosch Stiftung für den Deutschen Alterspreis nominiert.

Michael und Marina Kaljushny hatten von Ursula Cieslar den Auftrag bekommen, die Feier mit möglichst heiteren Weisen musikalisch zu schmücken. Das Musikerpaar – er an der Klarinette, sie am Klavier – bot deshalb ausschließlich „Fetziges“: Zum Start in die Festveranstaltung den „Säbeltanz“ des sowjetisch-armenischen Komponisten Aram Chatschaturjan, später dann ein Medley mit Musik von Glenn Miller – unter anderem den Chattanooga Choo Choo – und zum Abschluss den durch die Chris Barber Big-Band wohlbekannten Titel „White Cat Blues“.

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