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Zu Gast im "Dialog im Stift": Dustin Loose

Mit seinem Kurzfilm "Erledigung einer Sache" wurde Dustin Loose über Nacht in der Filmbranche bekannt und erhielt dafür in Hollywood 2015 den sogenannten Studenten-Oscar. Im „Dialog im KWA Stift im Hohenzollernpark“ sprach Reinhard von Struve mit Loose über die Arbeit hinter der Kamera.

Berlin, im Juli 2018. – Schon oft hat Loose das Etikett "jüngster 'Tatort'-Regisseur aller Zeiten" aufgedrückt bekommen, will das aber so nicht akzeptieren. Wolfgang Petersen habe auch schon mit 32 seinen ersten Tatort gedreht, bevor er seine Weltkarriere mit "Das Boot" startete und in die USA ging. Übrigens hält Dustin Loose Petersens Verfilmung von Lothar Buchheims Roman "mit für den größten deutschen Film seit dem Krieg". Und er kann die Dialoge des mehrstündigen Epos in weiten Teilen auswendig –  kein Wunder, hat er „Das Boot“ doch inzwischen 35 mal gesehen.

Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Loose verdankt seine junge Karriere keinen Beziehungen, er hat hart dafür gearbeitet. Deutlich macht er das darant, wie er drei namhafte Schauspieler für seinen Abschlussfilm an der Akademie fand, unter ihnen Robert Hunger-Bühler. Der vielfach ausgezeichnete Theaterstar werde sich niemals darauf einlassen, einen Studentenkurzfilm zu drehen, schon gar nicht ohne Honorar, erklärten ihm alle Besetzungsbüros. Loose gab aber nicht auf und nahm sich vor, ein Nein nur von Hunger-Bühler persönlich zu akzeptieren. Er kam an die Privatadresse des Schauspielers, schickte ihm sein Drehbuch und flehte ihn in einem handschriftlichen Brief um Mitarbeit an: Er werde seinen Film nur mit ihm drehen oder gar nicht. Am nächsten Tag sagte Hunger-Bühler zu. 

"Ein guter Film spielt in den Köpfen der Zuschauer"

Auch die Regiearbeit selbst ist ein Beispiel für Looses Hartnäckigkeit. Der 20-minütige Film "Erledigung einer Sache" basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte des schwedischen Autors Håkan Nesser, der Loose die Filmrechte für einen symbolischen Euro zur Verfügung stellte. Es geht um eine Familientragödie mit Lügen und Ehebruch bis hin zu Irrenhaus und Mord. Im Film aber sitzen sich zwei Männer an einem Tisch gegenüber und führen einen 20-minütigen Dialog - zum Entsetzen von Dozenten und Mitstudenten an der Filmakademie. Wie die Geschichte ausging, ist bekannt. "Ein guter Film spielt zu 90 Prozent in den Köpfen der Zuschauer“, erklärt Loose das Geheimnis seiner Arbeit. Es gehe nicht um ständig wechselnde Schauplätze und Kameraperspektiven oder möglichst viele Figuren. 

Anruf aus Hollywood

Der Anruf aus Los Angeles, der ihn nachts im Urlaub erreichte, stellte sein Leben innerhalb weniger Sekunden auf den Kopf, erinnert sich Loose: Großer Empfang auf dem Sunset Boulevard in Hollywood, Parties mit bekannten Filmschaffenden, endlose Interviewanfragen der deutschen Medien. Daraus zog der Jungregisseur Kraft für weitere Aufgaben: "Das hat mir viel Hoffnung für künftige schwierige Momente gegeben." Und er habe gelernt, dass man nur durch Reibung und Widerstände wachsen und sich weiterentwickeln könne. 

Der "Tatort" ist ein "dankbares Format"

Den "Tatort" bezeichnet Loose auch für künstlerisch-ambitionierte Regisseure als "dankbares Format": Am Anfang stehe ein Verbrechen, am Ende sei alles aufgeklärt, aber dazwischen habe er alle Freiheiten eine Geschichte zu erzählen und die Zuschauer zu fesseln. Im Januar dieses Jahres lief sein erster Tatort "Déjà-vu", für den er mit Lob überschüttet wurde. Gerade hat Loose seinen zweiten Fall abgedreht. 

Privatleben der TV-Kommissare

Natürlich ist auch Loose aufgefallen, dass das Privatleben der Ermittler in vielen Episoden breiten Raum einnimmt, auch wenn er einräumt, nicht jeden der weit über eintausend "Tatort"-Fälle gesehen zu haben. Dahinter steckt nach seinen Worten die Idee, dass "je menschlicher die Ermittler sind, desto enger die Bindung an die Serie ist und desto eher schalte ich auch beim nächsten Mal wieder ein." Für Loose steht jedoch die Lösung eines spannenden Falles im Vordergrund.

Traurigkeit spielen

Aus dem Publikum wird Loose nach Konflikten mit Drehbuchautoren gefragt. Natürlich mögen die Autoren  ihre Texte möglichst unverändert umgesetzt sehen. Aber manchmal sei das Drehbuch zu schriftsprachlich formuliert. Dann lasse auch er den Schauspielern die Freiheit, behutsam von der Vorlage abzuweichen. Loose beschreibt das so: Eine Figur im Film solle nicht sagen "Ich bin jetzt aber traurig", sondern ihr Traurigsein spielen.      

Was es mit dem Namen Dustin auf sich hat

Am Ende des Dialogs klärt Loose über die Herkunft seines englischsprachigen Vornamens auf und bestätigt die Vermutung eines KWA Bewohners: Tatsächlich habe der amerikanische Schauspieler Dustin Hoffman, den seine Mutter sehr verehrte, Pate gestanden. Zum Abschluss des Filmstudiums machte sie ihrem Sohn noch ein Überraschungsgeschenk: Sie hatte Dustin Hoffman angeschrieben, ihm von der beginnenden Regiekarriere ihres Sohnes berichtet und als Dankeschön ein Autogramm des US-Filmstars bekommen.


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