Zur Haupt-Navigation springen | Zum Inhalt springen

50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
Menue
Immer auf dem Laufenden

Mit dem Alphorn in Osnabrück

Im KWA Stift am Parksee lebt Jutta Ballach. Sie hat ein wirklich außergewöhnliches musikalisches Hobby - das Alphornblasen.

Unterhaching, im Juli 2018. - "Musik ist für mich Balsam für die Seele. Auch in schweren Zeiten", sagt Jutta Ballach. Klänge, Töne und Rhythmen spielten in ihrem Leben bereits früh eine wichtige Rolle – auch wenn sie erst im Alter von 50 Jahren aktiv zu musizieren begann. Die gebürtige Burghauserin wurde von ihren Eltern bereits als Kind zu klassischen Konzerten mitgenommen. "Doch dafür konnte ich mich nicht begeistern", gibt sie zu. Auch ein Instrument erlernte sie nicht – in Kriegszeiten gab es Wichtigeres.

Doch nach der Ausbildung zur Kinderkrankenschwester in Mainz lernte sie Ende der 1950er-Jahre in Darmstadt eine andere Musik kennen: den Jazz. "So etwas gab es in meinem Elternhaus nicht. Ich war sofort vom Jazzvirus infiziert." Von nun an besuchte Jutta Ballach mit ihrem künftigen Mann die Darmstädter Jazzclubs. Gemeinsam zogen sie auf Pferdewägen durch den Wald, auf denen die Bands jazzten.

In Osnabrück kamen Jutta Ballachs vier Söhne zur Welt. Sie erhielten eine musikalische Früherziehung und lernten Tuba, Posaune, Waldhorn beziehungsweise Saxofon. "Am Wochenende lief bei uns eine Jazz-Platte nach der anderen. Und es wurde immer viel musiziert." Jutta Ballach organisierte Vorspielabende, Workshops und Konzerte. Aber selbst musizierte sie nicht. Noch nicht. 

"Plötzlich wurde es still zu Hause. Die Kinder waren ja ausgezogen." Ende der 1980er-Jahre entschloss sich Jutta Ballach dann, in die musikalischen Fußstapfen ihrer Söhne zu treten. Beim Hornisten Adolf Leppich lernte sie Waldhorn. Anfangs zusammen mit sechs- bis zwölfjährigen Kindern. Jutta Ballach lernte "unter Mühen" Notenlesen und Transponieren, machte jedoch rasch Fortschritte auf ihrem Bass-Waldhorn. Es folgten erfüllende Jahre des Ensemblespiels. Und ein außergewöhnlicher Instrumentenwechsel.

"Adolf Leppich fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, in seiner Alphorngruppe mitzuspielen. Alphorn! In Osnabrück? Spontan habe ich ja gesagt – und es nie bereut." Für das Alphorn braucht die Hornistin im wahrsten Sinne des Wortes einen langen Atem. An einen der zahlreichen Auftritte des Ensembles erinnert sich Ballach besonders gerne: "Wir spielten auf einer Geburtstagsfeier, aber heimlich. Die Alphörner wurden vorsichtig unter der Hecke durchgesteckt. Keiner der Gäste merkte etwas. Und dann begannen wir wie aus dem Nichts zu spielen. Ein Heidenspaß!" Orchesterreisen führten Jutta Ballach und ihr Alphorn bis nach Südafrika.

2000 kehrte sie in ihr geliebtes Bayern zurück. Sie musizierte weiterhin mit großer Freude, unter anderem auch mit dem weltbekannten Tölzer Knabenchor. Ihr Waldhorn erklingt übrigens noch heute in Osnabrück – als Bassfundament der dortigen "Oldie-Gruppe".

Und das Alphorn? "Habe ich im Norden gelassen. Aber ich würde auch heute noch garantiert einen sauberen Ton rausbekommen", ist sie sich sicher. Doch jetzt möchte die 80-Jährige, die 2013 im KWA Stift am Parksee ihre neue Heimat gefunden hat, liebend gerne ein neues Instrument erlernen. Die Mundharmonika liegt schon bereit. Forcieren möchte Jutta Ballach allerdings nichts. "In meinem Leben und in meiner Musik hat sich vieles einfach so entwickelt. So soll es bleiben."

Autor: Jörg Peter Urbach
Erschienen in: Alternovum 2/2018


« zurück
nach oben

© KWA

nach oben