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Der ehemalige Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg Erwin Teufel beim Talk in der Rosenau

Moderator Stephan Schmutz befragte den Talkgast zu Meilensteinen seines Lebens.

Konstanz, 19. Oktober 2017. – „Denn der Geist in der Flasch‘ isch das Wichtigste in der Politik!“ – Ein richtiges „Bonmot“, dieses Zitat. Es war das humorige Schlusswort von Erwin Teufel, dem 51. Talkgast im KWA Parkstift Rosenau in Konstanz. Da es die Stimmung des Abends so grandios trifft, ist es einfach ein „Muss“ für den Artikelanfang. Der Gast ist in Begleitung seiner Ehefrau und eines Enkels gekommen; als sie den Festsaal betreten, erheben sich die Gäste spontan und würdigen ihren früheren Landesvater mit Standing Ovations!

Moderator Stephan Schmutz ist Journalist, da liebt man klare Verhältnisse vor dem Mikrophon und so möchte er wissen: „Saget Se, wie muss man Sie heut‘ eigentlich ansprechen? Herr Ministerpräsident oder Herr Dr. Teufel?“ – Der Frager ist keck, doch sein Gast ist schlagfertig: „Da halte ich‘s mit meinem schwäbischen Landsmann August Lämmle: ‚Titel, Namen, Geld, Befrackung sind zum Zwecke der Verpackung! Schale gilt nicht, sondern Perle, wichtig isch‘ allein de‘ Kerle!‘ Nennen Sie mich einfach bei meinem Namen, denn der ist das, was wirklich bleibt.“ 

Wer mit 25 Bürgermeister werden will, braucht die Meinungsführer auf seiner Seite

Das Publikum schmunzelt, der Moderator konzentriert sich nun auf seine ernsthaften Fragen: „Herr Teufel, 1964 wurden Sie im Städtchen Spaichingen – 25-jährig – zu Deutschlands jüngstem Bürgermeister gewählt. Was war das für ein Gefühl?“ – Er sei mit acht Geschwistern in Zimmern ob Rottweil aufgewachsen und habe schon als kleiner Junge davon geträumt, einmal Bürgermeister einer kleineren oder mittleren Stadt im Ländle zu werden. In Spaichingen war durch den plötzlichen Tod des amtierenden Bürgermeisters eine Neuwahl erforderlich geworden. Ihm sei schnell klar gewesen, dass die fehlende Bekanntheit „eines so jungen Mannes wie ich“ ein „Handicap“ sein würde und darum eine ganz besondere Strategie her müsse, um es bis ins öffentliche Bewusstsein der Spaichinger zu schaffen. 

Und er beginnt zu erzählen: Spaichingen in den Sommerferien des Jahres 1964. Noch haben die Leute in ihrer Ferienlaune anderes im Kopf als Wahlkampf. Da begibt er sich auf die Suche nach drei sehr prominenten Spaichinger Meinungsführern. Der junge Mann wird fündig, erhält von jedem der drei eine Liste mit jeweils wieder dreißig prominenten Meinungsführern und konzentriert sich dann nur auf die Namen, die in allen drei Listen auftauchen und beginnt noch in der wahlkampffreien Ferienzeit, bei seinen „dreifach handverlesenen Ziel-Prominenten“ Hausbesuche zu machen. „Täglich höchstens zwei, aber mit sehr intensiven Gesprächen! Das wurde mein Stein ins Wasser, der immer größere Kreise zog und mir schließlich zum Wahlsieg verhalf.“

Erwin Teufel war laut eigenem Bekunden „mit Leib und Seele“ Bürgermeister

Darauf Stephan Schmutz: „1972 war Ihnen das Rathaus zu eng geworden und es zog Sie in Richtung Fernsehturm nach Stuttgart, um Landtagsabgeordneter zu werden. – Es blieb aber nicht nur beim Landtagsmandat, in das Sie bis 2006 achtmal wiedergewählt wurden. In der Zeit von 1972 bis 1974 wurden Sie auch Staatssekretär im Stuttgarter Innenministerium, danach für vier Jahre Staatssekretär für Umweltschutz.“ - „Wenn ich geahnt hätte, dass mit meinem Wechsel nach Stuttgart der Verlust meines Bürgermeisteramtes verbunden sein würde, hätte ich mich – wahrscheinlich – nicht um das Landtags-Mandat bemüht“, wirft Erwin Teufel ein. - Dann wendet er sich den Gästen im Saal zu: „Denn ich bin mit Leib und Seele Bürgermeischter g‘wesen!“

„1978 wählte Sie die CDU-Fraktion im Landtag zum Vorsitzenden, wie haben Sie die folgenden 13 Jahre in Erinnerung?“ - Er denke sehr gerne an diese Zeit zurück, sei auch noch zusätzlich 19 Jahre CDU-Chef in Südbaden mit Konstanz gewesen, bis er den Vorsitz der Landes-CDU übernommen und in diesen Funktionen Land und Leut‘  noch besser kennen- und schätzen gelernt habe. „Es waren intensive, sehr erfüllende Jahre!“

Nach dem Rücktritt von Lothar Späth wurde Erwin Teufel mit 60 von 62 Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt

Stephan Schmutz: „Dreizehn Jahre Fraktionschef der CDU in Baden-Württemberg! Und was geschah an jenem denkwürdigen 22. Januar 1991?“ – Ja, es sei der Tag seiner Wahl zum Ministerpräsidenten gewesen. In diesen dreizehn Jahren habe er gut und vertrauensvoll mit seinen beiden Amtsvorgängern Hans Filbinger und Lothar Späth zusammengearbeitet. Er habe loyal bis zu dessen Rücktritt „zu 100 Prozent!“ hinter Lothar Späth gestanden, bis dieser ihm eröffnet habe, dass er nicht mehr voll hinter seinem Amt stehen könne und zurücktreten wolle. 

Einige Tage nach diesem Gespräch habe ihn die CDU-Landtagsfraktion – und das in geheimer Wahl – mit 60 von 62 Stimmen zum Nachfolger Späths gewählt. Dies habe er als besondere Wertschätzung für 13 Jahre Arbeit als CDU-Fraktionsvorsitzender im Stuttgarter Landtag empfunden. Der überraschende Rücktritt von Lothar Späth sei für ihn aber eine schmerzliche Erfahrung gewesen.

Meilensteine in Erwin Teufels Zeit als Ministerpräsident: eine große Verwaltungsreform, große Fusionen und die Entwicklung des Bahnprojekts Stuttgart 21

„Dann vierzehn Jahre im Amt als Ministerpräsident“, fährt Stephan Schmutz fort. „Sie waren als Regierungschef ein Macher. Erwin Teufel, der Fusionierer und Sanierer! Dazu fallen mir gleich mehrere Schlagworte ein: Die Schaffung des Energie-Riesen EnBW in Mannheim; die von Ihnen initiierte Bündelung von vier Banken zur stärksten deutschen Landesbank, der LBBW; die Senderfusion zum SWR; das Bahnprojekt Stuttgart 21 und Ihr Meisterstückle, die große Verwaltungsreform.“ – Das Amt eines Ministerpräsidenten sei so durchgetaktet mit notwendigen, festen Routine-Terminen wie Plenarsitzungen, Bundesrat oder Bundesvorstand in Berlin, um nur einige zu nennen, dass in der verbleibenden Zeit maximal ein größeres Projekt parallel zur wöchentlichen Routine betreut werden könne.

Ausgelöst durch die Frage eines mittelständischen Unternehmers aus Südbaden, der von ihm wissen wollte, ob es wirklich notwendig sei, dass am Genehmigungs-Prozedere für ein dringend notwendiges Bauvorhaben in seinem Unternehmen neben dem Landrat auch noch sechs weitere Behörden mitwirken müssten, habe er dem betroffenen Unternehmer helfen können. „Da ich mich auf allen Ebenen des Verwaltungsrechtes auskenne, wurde mir bewusst, dass dahinter ein grundsätzliches Problem unserer Landesverwaltung steckt; das Problem wurde zur Chefsache gemacht und hatte zur Konsequenz, dass aus 16.000 Landesbeamten inzwischen 16.000 Kreisbeamte geworden sind, die Genehmigungen heute viel besser und effizienter erteilen können, nämlich dort wo sie hingehören, vor Ort!“ 

Mit seinem Rücktritt wollte Erwin Teufel die brodelnde Landes-CDU befrieden

Was sein schönstes Erlebnis in seiner Zeit als Ministerpräsident gewesen sei? – „Das war wenige Wochen vor meiner Wahl der Glücksfall unserer Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990.“ 

Wie viel Erwin Teufel in Baden-Württemberg als Ministerpräsident bewegt hat, ist bekannt. „Doch wo lagen die Gründe für Ihre Entscheidung, am 19. April 2005 zurückzutreten?“, möchte Stephan Schmutz wissen. – Er habe damals im Europäischen Verfassungskonvent an der Europäischen Verfassung mitgearbeitet und sich dort sehr engagiert auch für die Belange der Europäischen Nationalstaaten, der Regionen und Kommunen eingesetzt. Dann begann es, in der Landes-CDU zu rumoren; da er keine Eskalation wollte, habe er sich gesagt: „Das tue ich mir nicht mehr an!“

Erwin Teufel ist ein Anhänger von Konrad Adenauers und Robert Schumans Europa-Idee zur Bewahrung des Friedens durch Bündnisse

„Jetzt saget Se‘ aber noch was zu Europa,“ ermuntert ihn der Moderator. Er sei ein glühender Verfechter der Europa-Idee Konrad Adenauers und des Lothringers Robert Schuman. „Hat sie uns über drei Generationen hinweg nicht siebzig Jahre Frieden beschert?“, stellt Erwin Teufel in den Raum. Seit dem Friedenschluss von Osnabrück und Münster, mit dem der Dreißigjährige Krieg zu Ende ging, habe Europa weitere 48 Kriege ertragen müssen, im ersten Weltkrieg mit 14 und im zweiten mit 50 bis 65 Millionen Toten! Wer erinnert sich noch daran, dass Winston Churchill, der britische Premier, 1946 bei einer Rede in der Aula der Universität von Zürich zwei bedeutsame Gedanken in die Welt setzte. Nämlich:

1. Wir brauchen die Vereinigten Staaten von Europa!
2. Deutschland und Frankreich müssen damit anfangen! 

1951 sei die Montanunion gegründet worden, eine geniale Idee Robert Schumans. Denn dieser kluge Staatsmann habe erkannt, „wer seine Kohle und seinen Stahl mit in diese Ehe einbringt, kann  keine Kriege mehr gegen seine Partner führen.“ Und wieder Standing Ovations im Saal! 

Spaichingen ist für Erwin Teufel und seine Familie zur Heimat geworden

Warum er nach der politischen Karriere ein Studium der Philosophie bei den Jesuiten in München begonnen habe? – Diese fünf Semester seien nicht nur bereichernd, sie seien auch notwendig gewesen, um genügend Abstand zum Leben in der Politik zu finden. Er sei sehr dankbar für sein Leben, würde auch nichts anders machen, wenn er noch einmal beginnen könnte. 

Dem Bodensee fühlt er sich mit der Familie eng verbunden, er sei auch stolz, dass er die Anfänge des KWA Parkstifts in Konstanz aktiv mitbegleiten konnte: Eine seiner Töchter konnte hier sogar ihre Karriere beginnen, bis zur späteren Leitung anderer Pflege-Einrichtungen. 

Im Ruhestand bleibe Spaichingen für ihn und seine Frau und einige der Kinder mit Enkeln jedoch ihr Zuhause.

Der Moderator hebt an: „Jetzt muss ich aber doch noch eine Frage zu unserem Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann nachschieben…“ – Und der Gast lässt sich prompt darauf ein: „Ich denke, wir beide schätzen uns sehr, auch wenn wir manchmal für andere Werte eintreten.“ Das habe ihn aber nicht daran gehindert, Kretschmann für das Zentralkommitee der deutschen Katholiken vorzuschlagen, dem sie nun beide angehören.

„Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ – ist für Erwin Teufel ein „Schenkelklopfer“

Die Schlussfrage von Stephan Schmutz sorgt noch mal für Heiterkeit:  „Wie stehen Sie zum Slogan des Landes: Wir können alles. Außer Hochdeutsch?“ – Dieser Slogan, mit dem sich das Land Baden-Württemberg vermarktet, ist so bekannt wie kein anderer Landes-Slogan in Deutschland. Und Erwin Teufel räumt ein: „Auf die Schenkel hab‘ ich mir g‘haut, als ich den zum ersten Mal gehört hab'!“ Sie seien sich damals alle einig gewesen: „Der isch es!“

Giselher Sommer   

Impressionen vom Talk – mit Bildern von Hanna Binder – klick on!

Talk in der Rosenau mit Erwin Teufel im Oktober 2017Talk in der Rosenau mit Erwin Teufel im Oktober 2017Talk in der Rosenau mit Erwin Teufel im Oktober 2017
Talk in der Rosenau mit Erwin Teufel im Oktober 2017Talk in der Rosenau mit Erwin Teufel im Oktober 2017Talk in der Rosenau mit Erwin Teufel im Oktober 2017
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