Zur Haupt-Navigation springen | Zum Inhalt springen

50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
Menue
Immer auf dem Laufenden

Im Malen Spuren hinterlassen - Kunstprojekt im KWA Stift Rupertihof

Seit einigen Monaten sieht der Raum vor der Kapelle im KWA Stift Rupertihof an zwei Freitagen im Monat auffallend anders aus als sonst. Um einen großen Tisch sind sechs Damen versammelt, die Wangen glühen vor Konzentration und Begeisterung. Farben werden gemischt, probiert, verworfen oder schwungvoll auf ein großes Blatt gepinselt.

Bunte Bilder entstehen, sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Zwischen all dem kreativen Tun wandert Angelika Stauber auf und ab. Aufmerksam betrachtet sie die Werke ihrer Schützlinge, sagt zwischendurch ein paar Worte der Ermunterung oder regt zum Nachdenken und zur Einkehr an. Das Geschehen hier ist kein gewöhnlicher Malkurs, das merkt der Betrachter rasch. „Es ist Entspannung
pur“, merkt eine Teilnehmerin an, „als ich jung war musste alles geordnet zugehen, denn die Zeiten waren hart. Jetzt im Alter darf ich endlich tun, was mir gefällt.“ Man könnte meinen, hier entsteht moderne Kunst – doch es ist viel mehr als das. Die Malerinnen begeben sich auf eine aufregende Reise ins eigene Unbewusste.

Angelika Stauber verbindet mit diesem Projekt ihre beiden Professionen als Altenheim-Seelsorgerin und Kunsttherapeutin. Es sei schon immer ihr Traum gewesen, den Bogen zwischen diesen beiden Berufen zu schlagen, sagt die 58-Jährige. Ihre Diplomarbeit hat die Seelsorgerin zu Viktor Frankl und dem „unbewussten Gott“ verfasst. Im Malen sind wir Menschen an unserer Unbewusstes angeschlossen: Das ist die Annahme, die diesem besonderen Malkurs im Rupertihof zugrunde liegt.

Angelika Stauber bezeichnet sich mit ihrem Projekt als „Menschenfischerin“ im positiven Sinn. Sie möchte Menschen anregen und beleben. Dabei kann dicke Beute gemacht werden: Lebenserfahrungen, Träume, Lebensentwürfe und Geheimnisse gehen dem, der sich darauf einlässt,
ins Netz. Das In-Verbindung-Bringen von all dem Genannten kann ein Befreiungserlebnis sein. Die Lebensvielfalt eines jeden wird neu geordnet und in andere Zusammenhänge gebracht. Daraus schöpfen die Seniorinnen Kraft. Behutsam leitet die Therapeutin die Teilnehmerinnen an. Sie lernen, beim Malen auf ihr Inneres zu hören, eines ergibt sich aus dem anderen, ohne Druck. „Ich muss nicht alles selbst in der Hand haben, ich kann auch lauschen auf mein Unbewusstes und darf Kontrolle abgeben“, ermuntert Stauber. Diese Art der Malerei lässt den Verstand außen vor und holt das Unbewusste an die Oberfläche. Das gelingt nicht immer sofort, aber nach einigen Malstunden können sich die Bewohnerinnen einlassen auf diese ganz besondere Anleitung und Erfahrung. Das Ganze bereitet ihnen sichtbar große Freude.

Bis zum Ende des Projekts werden noch einige Freitagnachmittage vergehen und die Seelsorgerin wird noch viele begleitende Gespräche führen, um die Menschen mit den auftauchenden Gedanken nicht allein zu lassen. Der krönende Abschluss wird eine Ausstellung dieser Seelenbilder im KWA Stift Rupertihof sein.

Erschienen in alternovum | 2/2017
Autorin: Lisa Brandl-Thür


« zurück
nach oben

© KWA

nach oben