Zur Haupt-Navigation springen | Zum Inhalt springen

50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
Menue
Immer auf dem Laufenden

Hobby im Alter – die Sichtweise der Psychologie

Von Prof. Dr. Dieter Frey.

Noch vor hundert Jahren wäre eine Reflexion über die Bedeutung von Hobbys nur für wenige Menschen interessant gewesen. Das Gros der Gesellschaft musste sehr viel Zeit in den Broterwerb investieren, hart arbeiten. Eine Freizeitkultur – und damit verbunden die Pflege von Hobbys – hat sich erst mit steigendem Wohlstand entwickelt. Doch geht es bei Hobbys wirklich nur darum, freie Zeit irgendwie „totzuschlagen“? Mitnichten.

Hobbys haben eine positive Wirkung für den Menschen, egal ob sie von jungen, mittleren oder älteren „Semestern“ ausgeübt werden. Wenn jemand ein Hobby hat, ist es meistens eine Tätigkeit, die Spaß macht, die für ihn einen Sinn ergibt, unabhängig vom Inhalt. Es ist also zweitrangig, ob es eine rein intellektuelle Tätigkeit ist, wie zum Beispiel Bücher schreiben, fotografieren, basteln, Kreuzworträtsel
lösen, oder eine praktische wie musizieren, den Garten pflegen oder seine Modelleisenbahn perfektionieren.

Der Mensch erlebt mit seinem Hobby einen großen Teil an Selbstverwirklichung und Selbstwirksamkeit, wenn er sieht, dass er aus eigener Kraft etwas schaffen kann, das einen subjektiven Sinn, einen Wert gibt. Wenn er oder sie diesem Hobby im Alter nachgeht, dann hat das sehr oft deshalb Vorteile, weil im Alter die ursprüngliche Berufstätigkeit, die den Alltag definiert hat, weggefallen ist. Viele Menschen erleben im Alter fast so etwas wie eine Altersdepression: allein dadurch, dass sie sich nicht mehr wertvoll fühlen, weil sie bestimmte Tätigkeiten nicht mehr
ausführen können. Sie werden möglicherweise nicht mehr gebraucht, erfahren keinerlei Anerkennung mehr.

Derjenige, der eine sinnvolle Alternative findet, die für ihn vielleicht sogar eine zentrale Tätigkeit wird, kann sich glücklich schätzen. Das so verstandene Hobby erzeugt Selbstvertrauen, die Zeit sinnvoll zu gestalten, und trägt so einen wesentlichen Teil zur seelischen und körperlichen Gesundheit und zum Wohlbefinden bei. Das Hobby ist ein wesentlicher Bestandteil des Selbst. Dabei ist es von großer
Bedeutung, dass ein Hobby selbst gewählt und nicht von irgendjemandem verordnet ist. Nur so kann es sich überhaupt zu einem Hobby entwickeln.

Was andererseits nicht verschwiegen werden darf: Auch wenn der jeweilige Mensch sehr viel innere Zufriedenheit durch sein Hobby erhält, kann es sein, dass es für Partner, Angehörige, Freunde und Nachbarn nicht immer angenehm ist, insbesondere dann, wenn mit dem Hobby große Leidenschaft verbunden ist. Es mag hie und da sogar ärgerlich sein, wenn ein Mensch sich aufgrund seines Hobbys völlig von seiner sozialen Umgebung absondert, wenn er allzu oft nicht mehr ansprechbar ist.

Leider gibt es auch alte Menschen, die keinerlei Hobby haben, weil sie nie im Leben eines hatten und dann einen großen Sinnverlust am Ende ihres Arbeitslebens erfahren haben. Doch man kann diesen Menschen  durchaus Mut zusprechen, denn eigentlich ist es nie zu spät, ein Hobby zu pflegen. Wer Lust hat, etwas Neues zu wagen, egal ob Mann oder Frau, sollte einfach darüber nachdenken, was ihm beziehungsweise ihr Spaß macht, was er oder sie kann. Und ob man etwas alleine machen möchte oder im Team oder gar in einer Gruppe. Vielleicht finden sich dann auch Menschen, mit denen sich das Hobby teilen lässt. Singen, spazieren gehen, Karten spielen oder über Politik und Geschichte
diskutieren beispielsweise.

Insofern kann man Menschen jedweden Alters ermutigen zu überlegen, welches Hobby oder welche Hobbys – manche Menschen haben ja auch mehrere davon – man sich zu eigen machen will. Es ist auf jeden Fall eine gute Altersvorsorge, indem es Selbstvertrauen und Wohlbefinden stärkt. Bei Hobbys, die mit Bewegung verbunden sind, können Menschen darüber hinaus einen gesundheitlichpräventiven Nutzen ziehen. Einfach so, ganz nebenbei. Sei es beim Schwimmen, sei es beim Tanzen, sei es beim Kegeln. Wenn sich im hohen Alter das eine oder andere Hobby irgendwann nicht mehr fortführen lässt, besteht die reife Kunst des Alterns darin, bewusst auf ein Hobby
zu verzichten – wie zum Beispiel auf exzessive Bergwanderungen. Das heißt, die Kunst wird immer darin bestehen, zu selegieren, zu priorisieren, je nachdem, was Geist und Körper erreichen können.

Dieses kann jedoch durch andere Bereiche kompensiert werden. Weniger kann manchmal mehr sein und Quantitatives kann durch Qualitatives ersetzt werden. Das positive Denken und der Optimismus
müssen mit zunehmendem Alter also nicht abnehmen, auch wenn man vielleicht nicht mehr alle
Hobbys von früher umsetzen kann. Es kann auch sehr erfüllend sein, gemeinsam mit Gleichgesinnten Dokumentarfilme anzuschauen und darüber zu diskutieren – insbesondere, wenn sich damit persönliche Erlebnisse und Erfahrungen verbinden lassen.

Erschienen in alternovum. Das KWA Journal | 1/2017


« zurück
nach oben

© KWA

nach oben