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Fiona Freidank und Jonas Müller gewinnen KWA Schülerliteraturwettbewerb München

Die prämierten Beiträge: „Rasende Gedanken“ und „Frau S.“ – Die Jury: Dr. Stefan Arend, Dr. Erich Jooß, Dr. Gabriele König und Dr. Harald Parigger – Die Wettbewerbsleiterin: Gisela Hüttis – Die Musik: vom Vokalensemble des Gymnasiums Ottobrunn, unter der Leitung von Matthias Müller

München / Ottobrunn, 24. März 2017. - 41 Schüler von 14 verschiedenen Schulen haben am diesjährigen KWA Schülerliteraturwettbewerb München teilgenommen. Der Wettbewerb verbindet Stadt und Landkreis, kennt keine Grenzen. Auch ein Beitrag aus Niederbayern wurde in die Wertung einbezogen. Das Thema lautete: Durch dich ändert sich der Blick.

Wie schon in den vergangenen Jahren verlieh Wettbewerbsleiterin Gisela Hüttis, Stiftsdirektorin im KWA Stift Brunneck in Ottobrunn, die Preise im Saal des KWA Georg-Brauchle-Hauses in München. Der Festsaal im KWA Wohnstift von Gastgeberin Verena Dietrich bot nicht nur Schülern, Eltern, Großeltern, Lehrern und anderen Interessierten Platz, sondern auch eine Bühne zur musikalischen Umrahmung des Events durch das Vokalensemble des Gymnasiums Ottobrunn unter der Leitung von Matthias Müller. Jurorin Dr. Gabriele König würdigte den Beitrag „Frau S.“ von Jonas Müller. Juror Dr. Harald Parigger hielt eine Laudatio auf „Rasende Gedanken“ von Fiona Freidank. Beiden Nachwuchsautoren wurden jeweils 250 Euro Preisgeld zugesprochen. Alle anderen anwesenden Wettbewerbsteilnehmer bekamen Urkunden sowie Speicher-Sticks.

Schirmherr Christoph Göbel: „Hört nicht auf, Eure Ideen und Geschichten aufzuschreiben. Teilt sie mit Euren Mitmenschen und helft mit, Blickwinkel zu verändern.“  

Der Schirmherr des Münchner KWA Schülerliteraturwettbewerbs Landrat Christoph Göbel hatte ein schriftliches Grußwort übermittelt, Gisela Hüttis las vor. „Allzu leicht geschieht es, dass man Menschen in eine bestimmte Schublade steckt“, so Landrat Göbel. Und zwar aufgrund bestimmter Eigenschaften, und, um Eindrücke zu ordnen. „Vielleicht habt ihr aber auch festgestellt, dass sich manche Menschen, wenn wir sie näher kennenlernen, sie in einem anderen Umfeld treffen, gar nicht so einfach in die eine Schublade stecken lassen.“ Perspektiven können sich ändern. Und gerade die Vielzahl an Perspektiven macht laut Christoph Göbel unser Leben so spannend. Im Hinblick auf das vorgegebene Thema zitierte der Landrat unter anderem Christian Morgenstern: „Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal, ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht.“ 

KWA Vorstand Dr. Stefan Arend über dänische Schüler, die an einer sogenannten „iPad-Schule“ unterrichtet werden: Sie würden zum Lesen am liebsten in eine Bücherei gehen. Denn: „Man muss ein solches Buch einfach nur aufschlagen!“ 

Lesen und Schreiben gehören zusammen wie Essen und Trinken. Das Schreiben hatten im Rahmen des Wettbewerbs Schüler übernommen. Über das Lesen machte sich KWA Vorstand Dr. Stefan Arend Gedanken und trug selbige bei der Preisverleihung vor. Dass es Carl Spitzwegs Gemälde „Der Bücherwurm“ vor wenigen Tagen auf die Titelseite der Frankfurter Allgemeinen geschafft hat, hat den KWA Vorstand sichtlich überrascht – und gefreut. Im Zeitalter von E-Books und E-Readern könnte man meinen, dass gedruckte Bücher keine Rolle mehr spielen. Doch weit gefehlt: Eine Untersuchung zu Lesegewohnheiten im digitalen Zeitalter hat Erstaunliches zu Tage gefördert: Dänische Erstklässler, die ausschließlich mit iPads unterrichtet werden, „würden am liebsten in die Bücherei gehen, weil die Entscheidung, was sie lesen wollen, bei gedruckten Büchern viel einfacher sei.“ Zudem gefällt es den Schülern, wie leicht man mit gedruckten Büchern umgehen kann: „Man muss ein solches Buch einfach nur aufschlagen!“

Dr. Gabriele König über die Geschichte „Frau S.“ von Jonas Müller: ein ausdrucksstarker Text, in einer nüchternen Erzählweise, verbunden mit einer klaren Wahrnehmung der innerfamiliären Konflikte.

Jurorin Dr. Gabriele König, Geschäftsführerin der Kinder-Akademie Fulda, hatte zum gesetzten Thema Geschichten über Liebeleien erwartet, war dann von vielen – ganz anders gearteten – Beiträgen positiv überrascht. Jonas Müller beschreibt in seinem Beitrag die Situation eines Grundschülers und seines Bruders. Die Familie wohnt in der Stadt, der Raum zum Spielen ist begrenzt. Doch auf dem Nachbargrundstück steht ein schöner großer Baum; und zur Nachbarin, einer älteren Frau, entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis. Die Jungen dürfen in ihrem Garten spielen. 

Jurorin Gabriele König erkennt im Plot eine generationenübergreifende Freundschaft, die ihren Ausdruck in gemeinsamen Erlebnissen findet – und im Bau eines Baumhauses. Über die Freundschaft des Jungen mit der alten Dame erlebe der Junge die Einsamkeit der Frau. Diese pflegt zwar einen großen Freundeskreis, erhält jedoch keinen Besuch von den Söhnen, leidet darunter. Während die Söhne von der Mutter erwarten, dass sie in ein Heim zieht, stärken Nachbarn und Freunde die Vitalität der alten Frau und das wachsende Interesse an der jüngeren Generation.  

Der Text mache deutlich, dass man auch als Kind überrascht werden könne, durch unterwartete Möglichkeiten. Der Autor beschreibe sehr dicht und prägnant. Zwei Stellen hält die Jurorin für zentral. Zum einen den Einstieg: „Die Motorsäge heulte so laut auf, dass ich dachte der Baum würde vor Leid schreien. Es ging viel zu schnell. Dreißig Jahre gelebt und in drei Minuten tot.“ Zum anderen den Satz: „Wenn es in der Familie nicht läuft, sind Freunde das Wichtigste.“ Diese Erkenntnis sei über die Geschichte hinaus wichtig und richtig. 

Dr. Harald Parigger über das Gedicht „Rasende Gedanken“ von Fiona Freidank: sprachlich geschliffen, bildkräftig und stilistisch raffiniert; ein Spiegel der Gedanken zwischen Trostlosigkeit und Hoffnung.  

Juror Dr. Harald Parigger – er ist Direktor der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit sowie Buchautor – stieg launig in seine Laudatio ein: „Viele Leute meinen, ein Gedicht ist, wenn die Zeilen kurz sind und sich’s hinten reimt. Und wenn sich’s hinten nicht reimt, dann ist’s eben ein modernes Gedicht.“ Viele glauben von sich, dass sie das Gedichte schreiben beherrschen – oftmals müssen dann ganze Hochzeitsgesellschaften darunter leiden. Parigger zitierte dazu ein negatives Beispiel.

Was Lyrik wirklich ist und kann, verdeutlichte der Juror mit einem Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe. 

Über allen Gipfeln ist Ruh.
In allen Wipfeln spürest du
Kaum einen Hauch.
Die Vöglein schweigen im Walde;
Warte nur, balde
Ruhest du auch.

Es enthalte kein einziges überflüssiges Wort. Darin sei das ganze menschliche Leben zu finden, mit all seinen Zweifeln und Ängsten, mit seinen Hoffnungen und seiner Endlichkeit. So etwas finde man selten. Umso mehr habe es ihn gefreut, dass unter den vielen Prosabeiträgen „ein richtig gutes Gedicht“ gewesen sei. „Eines, bei dem ich sofort Lust hatte, es mir selbst lauf vorzulesen.“ Es sei sprachlich geschliffen, bildkräftig, stilistisch raffiniert und im Inhalt – einer Begegnung zweier Menschen im Zug – spiegele es sehr eindrucksvoll die Gedanken, die Ängste und die Hoffnung der Autorin wider. 

Sehr schön sei auch das äußere Geschehen mit dem inneren verschmolzen. Der Zug, der durch die Landschaft rast, findet mit den tausend Bildern, die er durcheilt, mit den vorbeirasenden Gedanken des lyrischen Ichs zu einer Weltsicht zwischen Trostlosigkeit und Hoffnung. Dabei hüte sich die Autorin vor einer Verkitschung, die naheläge. Die Begegnung bleibe unerfüllt. Vielleicht noch, vielleicht für immer. Und dann zitierte der Juror den Schluss des Gedichts von Fiona Freidank:

Immer noch sitze ich im Zug
Stecke fest in meiner Endlosschleife
Und kann mich nicht losreißen
Vom Anblick dieser Person
Reflektiert auf der staubigen Scheibe

Doch da wendet sich der Blick ab
Schweift bewegt über den Himmel,
Sucht sich durch dichte Wälder
Mit demselben Funkeln
Das ich damals hatte

Und jetzt stelle ich mir die Welt vor
Wie ich sie als Kind betrachtete
Eigensinnig und farbenfroh
Selbst durch eine Schicht von Dreck
Lässt es sich so klar erkennen
Das eingebrannte Bild
Von einer wundervollen Welt

Da sitzen wir nun zu zweit im Zug
Und unsere Gedanken rasen um die Wette
.

Das Vokalensemble des Gymnasiums Ottobrunn unter der Leitung von Matthias Müller umrahmte die Preisverleihung mit Musik: Zum Einstieg präsentierten die Schülerinnen und Schüler eine Chorfassung von „Seasons of Love“ aus dem Musical „Rent“, zum Ausstieg „Africa“ von Toto, als Zugabe „An Irish Blessing“ – nach einem Satz von James E. Moore sowie „You Raise Me Up“ von Brandam Graham und Rolf Lovland. Der Chor begeisterte das Publikum mit schönen Stimmen. Ein Highlight war das „Ave Maria“, gesungen von Giovanni Montanari. Gleichermaßen großen Applaus bekam Katharina Grünwald: Sie begleitete einfühlsam am Klavier.

Sieglinde Hankele



Die prämierten Texte zum Nachlesen:
Rasende Gedanken von Fiona Freidank
Frau S. von Jonas Müller


Von links: KWA Vorstand Dr. Stefan Arend (Juror), Dr. Gabriele König (Jurorin), Fiona Freidank (Preisträgerin), Jonas Müller (Preisträger), Dr. Harald Parigger (Juror), Gisela Hüttis (Wettbewerbsleiterin)

 

 


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