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Noch ein Quäntchen zufriedener

Mit dem Ruhestand ist das so eine Sache. Es gibt Menschen, die nach dem Berufsleben in ein tiefes Loch fallen, weil sie sich nutzlos fühlen und keine Anerkennung mehr spüren. Es gibt jedoch auch Menschen, die zufrieden sind mit dem Erreichten und das Leben im Alter einfach nur genießen möchten. Immer mehr Ruheständler gehen jedoch auch andere Wege: so zum Beispiel Marianne Reuter.

Sie hat bis vor wenigen Jahren in der eigenen Firma – einem weltweit vertretenen Produktionsbetrieb – im Finanzwesen gearbeitet. „Da ist man schon sehr gefordert und natürlich auch persönlich involviert“, berichtet sie. Dennoch hat sie sich in den letzten Berufsjahren über die Zeit danach Gedanken gemacht – und ihre Pläne dann auch realisiert.

Nun schon im dritten Jahr engagiert sich Marianne Reuter am Landgericht Baden-Baden als Schöffin. „Im Namen des Volkes“ ist in Deutschland nicht nur eine Phrase, sondern Realität. Verantwortungsbewusste Bürger mit einwandfreiem Leumund werden für das Amt vorgeschlagen und
können, nachdem sie ernannt oder berufen wurden, als ehrenamtliche Richter zusammen mit Berufsrichtern Recht sprechen. Schöffen sind ein Bindeglied zwischen Staat und Bürger, sorgen dafür, dass lebensnahe Betrachtungen in Urteile einfließen. Das gefällt Marianne Reuter gut.

Eine weitere Herzensangelegenheit ist ihr der wöchentliche Besuch im Hahnhof. Dort engagiert sie sich seit dem Frühjahr 2014 ebenfalls ehrenamtlich. Wie ihr „Hahnhof-Tag“ aussieht? Sie startet mit einer Stunde Gedächtnistraining. Dieses Angebot richtet sich an alle Bewohner, wird gut angenommen. Mit Spielen und Übungen wird das Gedächtnis gefordert und die Fähigkeit zu memorieren erhalten oder sogar verbessert. Eine für die Kursleiterin sehr befriedigende Erfahrung: „Wenn ich mal in Urlaub bin und danach wiederkomme, merke ich, wie sehr sich die Teilnehmer freuen.“ Die nächste Station ihres Hahnhof-Tages ist die Tagesbetreuung. Hier liest sie Bewohnern vor, unterhält sich mit ihnen oder ermuntert sie zu Brettspielen. Nach dem Mittagessen begleitet sie Besucher der Tagesbetreuung, die Lust dazu haben, bei einer Tour durchs Haus oder durch den Stiftspark. Was ihr dabei wichtig ist? „Menschen aufzumuntern. Oder Menschen, die reden wollen, zuzuhören. – Und in jedem Fall möchte ich Abwechslung in ihren Alltag bringen.“

Bisweilen beschäftigt sie das, was sie im Hahnhof tut, auch zwischendurch. „Aber nicht belastend, sondern im Gegenteil: Wenn ich etwas sehe oder zum Thema lese, überlege ich mir, ob ich das vielleicht bei meinem nächsten Besuch auch so machen könnte.“

Dass sie sich im Hahnhof engagiert, liegt daran, dass ihr Vater hier sein letztes Lebensjahr verbracht hat. Sie hat ihn oft besucht, wohnt selbst in Baden-Baden, der Weg ist nicht weit. Ihr Mann und die beiden Kinder haben ihren Wunsch, sich sozial zu engagieren, von Anfang an unterstützt. Im Bekanntenkreis ist das Verständnis dafür erst nach und nach gewachsen. Auf die Frage nach der
Motivation antwortet sie: „Da es mir gut geht, wollte ich etwas tun, das anderen etwas bringt und Freude macht.“ Zeit für ihre Hobbys ist ja immer noch übrig: fürs Lesen, Wandern und Golfspiel. Marianne Reuters Credo: „Bürgerschaftliches Engagement ist eine Möglichkeit, noch ein Quäntchen zufriedener zu sein. – Manches, worüber ich mich früher aufgeregt habe, relativiert sich. Man
wird gelassener, weil man sieht, was wirklich wichtig ist.“

Erschienen in alternovum. Das KWA Journal | 3/2016
Autorin: Sieglinde Hankele


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