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Dialog im Stift mit dem Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach

Was den Politiker bewegt und umtreibt.

Berlin, im Oktober 2016. – Moderator Reinhard von Struve konnte im bis auf den letzten Platz gefüllten großen Saal des KWA Stifts im Hohenzollernpark zum Dialog im Stift einen der angesehensten und meinungsfreudigsten Politiker der Bundesrepublik Deutschland begrüßen: den CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach.

Seine fast tägliche Präsenz in den Medien führt Bosbach auf zwei Ursachen zurück: Sein Fachgebiet Innenpolitik beherrsche seit langem die Schlagzeilen mit Themen wie Terrorismus, innere Sicherheit, Flüchtlinge. Und jeder Fragende bekomme von ihm eine klare, offene Antwort; kein Ausweichen nach dem Motto einerseits-anderseits. Davor scheuten viele seiner Kollegen zurück, nach Bosbachs Beobachtung. 

Gesellschaftliche Debatten begeisterten ihn in den 1970ern für Politik

Auf die Frage, was ihn in die Politik geführt habe, ruft der Abgeordnete die 70er Jahre in Erinnerung. Nie wieder habe er eine solche Politisierung erlebt: Die Themen Abtreibung und neue Ostpolitik sowie das gescheiterte Misstrauensvotum gegen den damaligen Kanzler Willy Brandt lösten heftigste gesellschaftliche Debatten aus, die in einer Wahlbeteiligung von 90 Prozent gipfelten. Da wollte er mitgestalten und trat als Sohn einer christlich geprägten Familie in die Junge Union ein. 

Dass dem konservativen Politiker der letzte Karriereschritt verwehrt blieb, lag nicht an ihm. Angela Merkel wurde 2005 Kanzlerin und fragte ihren Innenexperten und stellvertretenden Fraktionschef Bosbach, welche Aufgabe er sich vorstellen könne. Minister oder Fraktionsvorsitzender, war die Antwort. Doch er wurde nicht berufen. Nach der nächsten Wahl wurde er Vorsitzender des Innenausschusses des Bundestages und führte dieses Amt sechs Jahre lang – wie Freunde und Gegner sagen – äußerst kompetent und fair. Bosbach betont, er habe nie ein Problem damit, die Leistung eines Kollegen in einer anderen demokratischen Partei respektvoll zu würdigen. 

Nein zum 2. Griechenlandhilfspaket war Gewissensentscheidung

Die wachsende Entfremdung zwischen ihm und seiner Partei manifestierte sich in der Debatte über die Hilfspakete für Griechenland. Beim ersten stimmte Bosbach noch mit der Unionsfraktion und glaubte dem Versprechen, dass das Risiko der Kredite bei den Finanzinstitutionen bleibe. Beim zweiten Paket im September 2011 wurde klar, dass die Steuerzahler einspringen müssten. Bosbach blieb der ursprünglichen Linie seiner Fraktion treu und lehnte es zusammen mit etwa einem Dutzend anderer Unionsabgeordneter ab.

Beim Thema Flüchtlinge warnt er mit gewohntem Nachdruck vor falscher Toleranz: „Wer hier ein neues, besseres Leben beginnen will, soll unsere Rechts- und Werteordnung akzeptieren, sich einfügen und integrieren. Punkt.“ Die Grenzöffnung im September 2015 hielt Bosbach aus humanitären Gründen für richtig. Aber danach hätte Deutschland zu geltendem Recht zurückkehren müssen und nur Menschen mit Papieren hereinlassen dürfen. 

Mit großer Sorge beobachtet Bosbach ein rauer werdendes innenpolitisches Klima, das sich nicht nur in Pegida zeige. Er verweist auf eine wachsende Zahl von Beleidigungen, die er als Abgeordneter erhält. Inzwischen erstatte er jeden Monat mindestens eine Strafanzeige. 

Abschied vom Bundestag nach 23 Jahren

Warum Wolfgang Bosbach nächstes Jahr nicht mehr für den Bundestag kandidieren wird? Im Gespräch mit dem Moderator Reinhard von Struve nennt er zwei Gründe: Es fällt ihm zunehmend schwer, in wichtigen Fragen wie etwa der Flüchtlingspolitik und der Griechenlandkrise noch seiner Partei zu folgen. Hinzu komme die angegriffene Gesundheit - Bosbach leidet nach eigenem Bekunden an einer Herzinsuffizienz und kämpft seit Jahren mit seiner inzwischen unheilbaren Krebserkrankung.

Auf Nachfrage räumt Bosbach ein, dass er seit den 90er Jahren Raubbau an seinem Körper betreibt: „Ich weiß, dass ich total unvernünftig bin.“ Er kann sich Politik als Abgeordneter jedoch nicht anders vorstellen. Er fühle sich gegenüber seinen Wählern verpflichtet und möchte niemanden enttäuschen.

Bosbach empfiehlt Deutschen mehr Gelassenheit

Neben schweren und ernsten Themen gibt es zwischendurch auch Schilderungen von heiteren Erlebnissen; etwa wenn Wolfgang Bosbach von seinem TV-Auftritt bei „Wer wird Millionär“ erzählt oder von einer Kettenkarussellfahrt mit seinen kleinen Töchtern und der Bundeskanzlerin, der er Humor im persönlichen Gespräch bescheinigt, wovon sie die Öffentlichkeit leider nichts spüren lasse.  

Bosbach gibt seinen Zuhörern noch den Wunsch mit nach mehr Gelassenheit in unserem Land mit auf den Weg. Man müsse besser unterscheiden, was ein lösbares Problem sei und was wirklich eine Katastrophe. Er erinnert an den Weltkrieg, die Kindheit in Ruinen, den mühevollen Wiederaufbau: „Heute geht es uns gold, verglichen mit den Sorgen der Menschen in den 40er und 50er Jahren und in vielen Teilen der Welt.“
 


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