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Eva Reichheim: einst Fußballspielerin beim FC Bayern München

Mitte der 50er-Jahre konnten sich einige ältere Herren mit der Vorstellung von Damen auf dem Fußballrasen so gar nicht anfreunden: 1955 verbot der Deutsche Fußballbund kurzerhand den Frauenfußball. Die Begründung: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“ Erst 1970 wird das Verbot aufgehoben. In München entsteht noch im gleichen Jahr die Frauenfußballabteilung des FC Bayern.

Eva Reichheim ist 22 Jahre jung, als sie 1970 in München in einem Textilwarenladen als Verkäuferin arbeitet und ihr eine Arbeitskollegin von der Gründung der Frauenfußballmannschaft des FC Bayern erzählt. Man suche sogar noch interessierte Frauen. Fußballfan Eva Reichheim ist hellauf begeistert, flitzt los, organisiert sich die Bild-Zeitung und findet dort die Info, wo und wann sie vorstellig werden kann. In einem Münchner Bierkeller findet sie sich kurz darauf zwischen vielen jungen Frauen wieder, die allesamt in die Mannschaft wollen. Es finden Probetrainings statt, viele springen wieder ab – ein harter Kern bleibt. Eva Reichheim gehört dazu.

Die junge Damenmannschaft wird zügig aufgebaut, zweimal die Woche wird trainiert. Theoretischer Unterricht gehört ebenso dazu wie die Praxis am Ball. Die Premiere gegen Olching gewinnt Evas Mannschaft mit 7 : 1. „Nach dem Spiel kam der Olchinger Trainer auf mich und eine Mitspielerin zu, um uns abzuwerben. Das kam aber gar nicht in Frage!“, lacht Eva Reichheim. Der Trainer lobt sie für ihr gutes Mittelfeldspiel. Später spielt sie in ihrer Lieblingsposition Rechtsaußen. Ein Sieg jagt den nächsten, es vergehen eineinhalb Jahre bis zur ersten Niederlage. Bei Auswärtsspielen wird den Spielerinnen ein Mittagessen spendiert, Geld gibt es nicht.

Eva Reichheim hat großen sportlichen Ehrgeiz, sie verbringt jede Minute ihrer Freizeit mit dem Ball. Ob und wie sie als Frau auf dem Fußballrasen wahrgenommen wird, interessiert sie wenig. „Mir ging es nur um die Freude am Spiel“, sagt sie. Die Berichterstattung der Presse lässt gelegentlich durchblicken, dass die kickenden Frauen nach anderen Kriterien als die männlichen Kollegen bewertet werden. Da ist schon mal von „wohlgeformten Wadln“ und „Spiel mit Haken und Ösen“ die Rede. Ein Spiel in Bad Wiessee hat Eva Reichheim in besonderer Erinnerung – dort fühlte sie sich als Sportlerin wahrgenommen. Da viel Prominenz anwesend war, wurde die Mannschaft angehalten, das Spiel spannend zu gestalten und sich mit Torschüssen zurückzuhalten. Ergebnis war der höchste Sieg aller Zeiten: 17:0.

Eva Reichheims Fußballkarriere endete verletzungsbedingt nach etwa drei Jahren. Doch ihre Begeisterung für Fußball ist bis heute geblieben. Sie verfolgt praktisch jedes Spiel, ein besonderes Faible hat sie für Bayern-München-Kicker Thomas Müller: „Der spielt nicht nur gut, der hat auch immer ein Witzchen parat.“ Seit einem tragischen Sturz ist Eva Reichheim querschnittsgelähmt.
Nun lebt sie schon seit 26 Jahren im KWA Stift Rottal und hat dort ein Zuhause gefunden, in dem sie sich sehr wohlfühlt.

Erschienen in alternovum. Das KWA Journal | 2/2016
Autorin: Agnes Gsell


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