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Macht und Recht: Aus dem Leben eines Richterehepaares

Sie sah sich 1954 zu Beginn ihres Jurastudiums in Hamburg noch als künftige Attachée an der deutschen Botschaft in London oder Paris, während er – bereits mit dem festen Vorsatz, das Amt des Richters zu ergreifen – den gleichen Studiengang in Marburg begann.

Dr. Wolf Endemanns erste berufliche Station war das Landgericht Darmstadt. Dr. Jutta Endemann entdeckte während des Rechtsreferendariats ihr Interesse für den Richterberuf und begann am
Landgericht Itzehoe ihre berufliche Laufbahn. Ihr Schwerpunkt lag im Zivil- und Handelsrecht, seiner im Staats- und Verwaltungsrecht. 1965 kreuzten sich die Wege der beiden im Bonner Bundesjustizministerium und so wurde aus zwei Richtern ein Ehepaar.

Natürlich müsse man sich als Richter an die Vorgaben des übergeordneten Gesetzes halten, aber man sei unabhängig und nicht weisungsgebunden. Das habe ihm an dem Beruf besonders gefallen, sagt Dr. Wolf Endemann, und seine Frau nickt zustimmend. Beide schätzten es, dass sich der Berufsalltag zumeist sehr spannend gestaltete. „Es war bunt“, sagt Dr. Jutta Endemann und beide sind sich einig, „die Berufsjahre waren unsere goldenen Jahre.“

„Grundsätzlich liegen jedem Fall klare Verfahrensvorschriften zugrunde“, beschreibt Dr. Jutta Endemann die Herangehensweise an einen Prozess. „Jeder, der einen Anspruch geltend macht, muss bestimmte Tatsachen belegen und beweisen. Kann er nicht beweisen, verliert er.“ So habe man manchmal auch mit dem unguten Gefühl urteilen müssen, eine Person sei zwar im Recht, die Beweislage reichte aber nicht aus. Sie habe dann versucht, einen Vergleich herbeizuführen, so Dr. Jutta Endemann. „Im Richterberuf geht es oftmals darum, einen Ausgleich, eine Lösung zu finden“, ergänzt ihr Mann.

Am Wochenende und im Urlaub hat sich das Ehepaar insbesondere beim Wandern erholt. Der Beruf war trotzdem immer themenbestimmend. Dr. Jutta Endemann im Rückblick: „Das war unser beider Hauptinteresse, auch bei unserem Sohn – von Kindesbeinen an.“ Der Sohn ist heute als Rechtsanwalt in München tätig.

Ehe, Kind und Beruf ließen sich gut vereinbaren, stellt Dr. Jutta Endemann fest. Auch habe sie als Frau nie mit Akzeptanzproblemen zu tun gehabt. An eine einzige Begebenheit erinnert sie sich, schmunzelnd: „Am Amtsgericht, es ging um Bauernangelegenheiten, wurde ich einmal von einem
Landwirt aufgefordert, den Mund zu halten. Er war der Meinung, ich, das Fräulein, habe schließlich keine Ahnung.“

Endemanns sind nahbar, strahlen dennoch eine natürliche Autorität aus. Die guten didaktischen und
rhetorischen Fähigkeiten fallen auf – ebenso wie das klare und analytische Denken beider. Das Paar gibt sich bescheiden, obwohl dies alles andere als selbstverständlich ist. Beide waren 35 Jahre im Richterberuf tätig. Dr. Jutta Endemann zuletzt als Vorsitzende Richterin am Oberlandesgericht
Karlsruhe. Dr. Wolf Endemann war, nach unterschiedlichsten beruflichen Stationen, Präsident des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg. Seit April 2015 lebt das Ehepaar im KWA Stift Brunneck in Ottobrunn.

Autorin: Agnes Gsell | Erschienen in alternovum. Das KWA Journal 01/2016


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