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Alice Hüsing: „Miss Bielefeld“ Tänzerin und Fotomodell

„Ich bin selbst verwundert, was ich alles gemacht habe“, sagt Alice Kuhnert-Hüsing – die einstige Tänzerin, die nebenbei auch als Fotomodell gearbeitet hat und im Jahr 1956 zur Miss Bielefeld gekürt wurde. Heute ist sie 87, wohnt im Caroline Oetker Stift in Bielefeld.

Der Wunsch, Tänzerin zu werden, war früh da. Dem Vater, einem Maschinenbauingenieur, gefiel das gar nicht. Alice sollte doch Ärztin werden und vielleicht sogar als Chirurgin in die Fußstapfen des Großvaters treten. Doch Alice hatte die Unterstützung der Mutter, bekam schon als Kind Ballettunterricht. Nach dem erfolgreich absolvierten Abitur und bestandener Aufnahmeprüfung, wo ihr
Tanztalent und Musikalität bescheinigt wurden, durfte sie sich zur Tänzerin ausbilden lassen. Und als sie später an Staatstheatern in wichtigen Rollen brillierte – in Kassel, in Mainz, und in Wiesbaden – zeigte der Vater unverhohlen seinen Stolz. Dass Alice nebenbei als Fotomodell gearbeitet hat, ging nicht von ihr aus. Der damals sehr bekannte Moderator Hans Maegerlein hat sie dazu ermuntert.
Beim ersten Auftritt auf einem Laufsteg präsentierte sie eine Winterkollektion, in ihrem Geburtsort Hagen in Westfalen – danach auch in Wiesbaden und Kassel. Gerne erinnert sie sich auch an Engagements als Fotomodell für das Modemagazin Burda und für Dr. Oetker. Doch sie betont: „Ich war kein Superstar-Model. Ich war auch nicht der Typ, der ganz nach oben wollte.“

Auch die Teilnahme am Wettbewerb um den Titel der „Miss Bielefeld“ war nicht ihre eigene Idee. Kollegen vom Stadttheater haben sie überredet. Und so war sie eine von 1.200 jungen Frauen, die sich bewarben. 32 wurden vorausgewählt, 16 kamen in die Endrunde. Kultur- und Geschichtsfragen
zu beantworten, fiel ihr leicht: Das entsprach ihren Interessen. Ihre Konkurrentinnen waren Anfang 20, sie selbst 27, deshalb rechnete sie sich keine Chancen aus. Doch die Jury entschied sich für Alice – eine blendende Erscheinung. Als Tänzerin hat sie 22 Jahre lang gearbeitet, mit großer Leidenschaft – auch wenn bisweilen die Zehen bluteten. Auf die Figur hat sie stets geachtet. Dennoch war Alice
mit 60 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,72 nicht untergewichtig. Die heutigen Magermodels bedauert sie sehr.

Mit 40 beendete sie die Tanzkarriere, unterstützte den Ehemann, der freiberuflich als Grafikdesigner arbeitete, im Studio. Das notwendige Wissen hat sie sich angelesen. Das Credo ihrer Großmutter „Sag nie, das kann ich nicht“ war längst ihr eigenes. Eigenes Geld verdiente sie fortan als kaufmännische Assistentin in einem Juweliergeschäft. „Ich hatte keine Ahnung von Juwelen, habe sehr viel dafür tun müssen, um da hineinzuwachsen“, sagt sie. – Sie hat nächtelang Fachliteratur aufgesogen. Und das hat sich für ihren Chef rasch ausgezahlt: Es gab Kunden, die wollten sich ausschließlich von ihr beraten lassen – und haben dann Exquisites gekauft. So durfte sie den Juwelier auch zu Messen nach München und Mailand begleiten. Das hat ihr gefallen, so wie ihr ganzes Leben.

Ein Online-Bilderalbum zu Alice Kühnert-Hüsing finden Sie auf alternovum.de in der Rubrik OnlinePlus

Autorin: Sieglinde Hankele | Erschienen in alternovum. Das KWA Journal 01/2016


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