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KWA Mitarbeiter… aus aller Herren Länder

"Die Akquise von Fachkräften, die aus dem Ausland kommen, wird zunehmend wichtiger." Bruno Binner, KWA Personalleiter

Bei KWA sind Mitarbeiter aus vier Kontinenten und 60 Ländern beschäftigt, in allen Arbeitsbereichen. Doch warum ist die Beschäftigung und Integration von ausländischen Mitarbeitern für KWA überhaupt so wichtig? Die Antwort ist relativ einfach: Aus Studien ergibt sich, dass sich das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland bis zum Jahr 2025 um 6,5 Mio. Personen verringern wird. Dies vor dem Hintergrund, dass in Deutschland bereits heute ein besorgniserregender Fachkräftemangel vorherrscht und sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen wird.

Dass dieser Fachkräftemangel nicht nur in den Ballungsräumen wahrnehmbar ist, bemerken wir in allen unserer Einrichtungen. Dabei trifft uns die demografische Entwicklung in der Pflegebranche in doppelter Weise. Die Zahl der pflegebedürftigen älteren Menschen wird in den nächsten Jahren stark zunehmen, und die Zahl der jungen Menschen, die einen Pflegeberuf ergreifen können, wird abnehmen. Schon jetzt ist zu beobachten, dass die Zahl der auf veröffentlichte Stellenangebote eingehenden Bewerbungen zunehmend sinkt. Gute Fachkräfte aus den Bereichen Pflege, Küche und Hauswirtschaft sind gesucht und können sich aus diversen Angeboten das für sie vermeintlich Beste aussuchen.

Was also tun? Einer der wichtigsten Schritte zur Beseitigung des Fachkräftemangels ist sicherlich der, die Zahl der Auszubildenden zu erhöhen. Dies hat KWA in den vergangenen Jahren bereits getan und wird dies noch weiter intensivieren. Doch auch hier stellt sich dieselbe Problematik. Die Zahl der Ausbildungssuchenden nimmt stark ab und das Angebot an Ausbildungsstellen nimmt gleichermaßen zu. Hier heißt es, „zusätzliche Potenziale“ zu heben. Doch woher nehmen?

Bewerber aus dem Ausland werden zunehmend wichtiger. Eine Vielzahl von Auszubildenden in den Pflege-, aber auch in anderen Berufssparten, kommt derzeit aus den Balkanländern, vor allem aus Bosnien-Herzegowina und Serbien. KWA erwägt, geeignete Interessenten künftig bereits in den Herkunftsländern auszubilden und ihnen die erforderlichen deutschen Sprachkenntnisse bereits vor Ort zu vermitteln. Doch dies allein wird nicht reichen.

Die Akquise von Fachkräften, die aus dem Ausland kommen, wird zunehmend wichtiger. In den vergangenen beiden Jahren konnten wir vorwiegend Mitarbeiter aus Spanien, Kroatien, Serbien und Bosnien-Herzegowina gewinnen. KWA ist in diesen Ländern zum einen selbst durch Stellenanzeigen in Online-Jobbörsen aktiv, zum anderen durch Kooperationen mit Arbeitsagenturen und Personalvermittlungsagenturen. Auch Asylbewerber sind für KWA als Mitarbeiter durchaus interessant, einige sind bereits in unseren Einrichtungen beschäftigt.

Bei der Einstellung von Mitarbeitern aus dem Ausland sind jedoch einige Hürden zu nehmen. Die erste Hürde ist bei Bewerbern, die nicht aus dem EU-Ausland stammen, die fehlende Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in Deutschland. Dieses Genehmigungsverfahren nimmt oftmals einen Zeitraum von drei bis vier Monaten ein, erst dann darf der bereits eingestellte Mitarbeiter bei KWA tätig werden.

Die zweite Hürde in Folge ist in den meisten Fällen eine fehlende oder geringe Kenntnis der deutschen Sprache. In den Pflegeberufen wird ein Sprachniveau "B2" nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen vorausgesetzt. Das heißt, dass die Mitarbeiter eine selbstständige Sprachanwendung in Wort und Schrift beherrschen müssen und mit einem Muttersprachler ohne große Anstrengung eine Diskussion führen können sollen. KWA bietet hier Hilfestellung durch das Angebot von Sprachkursen. Ohne Frage, die Mitarbeiter aus dem Ausland geben sich die größte Mühe. Aber: Jeder von uns, der in seinem Leben eine fremde Sprache gelernt hat, weiß, dass das nicht so einfach ist, noch dazu, wenn man „nebenher“ seiner Arbeit nachgehen muss. Doch das ist noch nicht alles.

Die dritte Hürde ist das Anerkennungsverfahren zur Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung in
einem Gesundheitsfachberuf in Deutschland. Der Arbeitnehmer darf bis zur Erteilung dieser Erlaubnis nicht als Fachkraft, sondern "nur" als Hilfskraft arbeiten. Eine Ausnahme gibt es diesbezüglich für EU-Bürger, wenn sie innerhalb von sechs Monaten ein Zeugnis über das Sprachniveau "B2" vorlegen. Dies, obwohl viele der Mitarbeiter, die aus dem Ausland kommen, über eine abgeschlossene Ausbildung in einem Gesundheitsberuf verfügen oder sogar über ein abgeschlossenes Studium.

Für die meisten ist diese Zeit des Übergangs nicht einfach. Ihre bisherigen Berechtigungen zur Ausübung von Tätigkeiten in Gesundheitsberufen sind hier in Deutschland auf einen Schlag nichts mehr wert. Wer vorher bereits als Fachkraft Verantwortung getragen hat, ist hier als Hilfskraft verständlicherweise unzufrieden. Eine Dauer von 12 bis 15 Monaten für den gesamten Genehmigungsprozess ist bei Nicht–EU-Bürgern keine Seltenheit. – Ein weiter Weg.

Doch er lohnt sich für Arbeitnehmer und Arbeitgeber in den meisten Fällen. Denn es hat sich gezeigt, dass Mitarbeiter, die aus dem Ausland kommen, von Kollegen und Stiftsbewohnern anerkannt und geschätzt werden, wenn sie bereit sind, sich von Anfang an auf unsere Kultur und unsere Werte einzulassen. Sie dabei zu unterstützen, ist eine wichtige Aufgabe. Denn nur gemeinsam kann
Integration gelingen.

Autor: Bruno Binner | Erschienen in alternovum. Das KWA Journal 01/2016

 

 


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