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Franziska Unger gewinnt 8. KWA Schülerliteraturwettbewerb München im KWA Jubiläumsjahr – das Unternehmen wird 50

Marieke Bohn und Marisa Burkhardt teilen sich Platz 2 – Dr. Stefan Arend, Dr. Erich Jooß, Dr. Gabriele König und Dr. Harald Parigger als Jury, Wettbewerbsleitung durch Gisela Hüttis – Musik zur Preisverleihung vom Vokalensemble des Gymnasiums Ottobrunn, unter der Leitung von Matthias Müller

München/Ottobrunn, 11. März 2016. – „An meinem Lieblingsplatz“ war das Thema des achten KWA Schülerliteraturwettbewerbs für die Region München. Bei der Preisverleihung im KWA Georg-Brauchle-Haus wurden die Preisträgerinnen bekanntgegeben und gewürdigt: Franziska Unger für ihre Geschichte „Nie wieder“, Marisa Burkhardt für ihren Beitrag „Kopfsache“, Marieke Bohn für „An meinem Lieblingsplatz …“.  Das Engagement der Erstplatzierten wurde mit 250 Euro honoriert, den beiden Zweitplatzierten wurden jeweils 150 Euro zugesprochen. Alle anderen anwesenden Wettbewerbsteilnehmer bekamen Urkunden sowie Kinogutscheine.

Die Teilnehmer kamen diesmal von zehn verschiedenen Schulen, Wettbewerbsleiterin Gisela Hüttis, Stiftsdirektorin im KWA Stift Brunneck in Ottobrunn, nannte: das Gymnasium Ottobrunn, das Gymnasium Neubiberg, die Realschule Neubiberg, das Humboldt-Gymnasium Vaterstetten, das Max-Born-Gymnasium Germering, die Europäische Schule München, das Pestalozzi-Gymnasium München, das Bertolt-Brecht-Gymnasium München, die Adalbert-Stifter-Realschule München und die Sabel Realschule München.

Schirmherr Christoph Göbel  ermuntert Schüler, Senioren vorzulesen: Beide Seiten werden profitieren und voneinander lernen

Der Schirmherr des Münchner KWA Schülerliteraturwettbewerbs Landrat Christoph Göbel war terminlich gebunden, sein Grußwort verlas in dessen Auftrag Gisela Hüttis. Göbel ging ein auf den Ausgangsgedanken des Wettbewerbs: nämlich den, Generationen zu verbinden. So forderte er die Schüler auf, mit alten Menschen aktiv in Kontakt zu treten: „Lest ihnen Eure Texte vor und diskutiert sie mit ihnen. Habt Spaß dabei und beide Seiten werden profitieren und voneinander lernen.“ Auch ein Goethe-Zitat schickte Göbel zur Preisverleihung, und zwar: „Das Alter kann kein größeres Glück empfinden, als dass es sich in die Jugend hineingewachsen fühlt und mit ihr nun fortwächst.“  Literatur, Dichtung und Poesie sind laut Göbel eine universelle Sprache. Der Schirmherr schloss sein Grußwort mit einem Appell: „Gebt also nicht auf in Eurem Bemühen, Eure Gedanken, Ideen und Geschichten zu Papier zu bringen mit all der Schönheit, die in der deutschen Sprache liegt.“

KWA Vorstand Dr. Stefan Arend nennt drei beachtenswerte Zahlen: 50 Jahre KWA, 104 Lebensjahre der ältesten KWA Stiftsbewohnerin, 300 Teilnehmer des Münchner KWA Schülerliteraturwettbewerbs bis dato

KWA Vorstand Dr. Stefan Arend grüßte die Gäste der Preisverleihung im Namen des Unternehmens, dankte den Wettbewerbsteilnehmern, Lehrern, die den Wettbewerb publik gemacht und Schüler motiviert haben, seinen drei Jury-Kollegen Dr. Gabriele König, Dr. Erich Jooß und Dr. Harald Parigger sowie Wettbewerbsleiterin Gisela Hüttis und ihrem Team.

Arend machte sein Grußwort an drei Zahlen fest: 50, 104 und 300. Was er mit der Zahl 50 verbindet? KWA kann in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiern. Hier in München haben im Jahr 1966 sieben Bürger einen gemeinnützigen Verein gegründet, um „alten Menschen neue Häuser zu bauen“. Der Ort der Preisverleihung steht für die Tradition des Unternehmens wie kein anderes: Es ist das erste Wohnstift von KWA. Was es mit der Zahl 104 auf sich hat? 104 Jahre alt ist zum Zeitpunkt der Preisverleihung die älteste Bewohnerin eines KWA Stifts – und sie ist nicht die einzige KWA Stiftsbewohnerin, die über hundert ist. Und die Bedeutung der Zahl 300? Gut 300 Schüler haben seit 2008 an den bisherigen Schülerliteraturwettbewerben der Region München teilgenommen. Dieser beachtliche Erfolg sei unternehmensweit bekannt. Deshalb hat auch ein Kollege von Gisela Hüttis – Manfred Zwick, er ist Stiftsdirektor im KWA Albstift Aalen – die gute Idee aufgegriffen und im vergangenen Jahr zum ersten Mal einen Schülerliteraturwettbewerb für die Region Ostalb gestartet.

Von „Smombies“ und anderen jungen Menschen

Für seine Ausführungen zum Jugendwort des Jahres 2015 erntete KWA Vorstand Arend sowohl Gelächter als auch Beifall. Wie das Wort heißt? Smombie – eine Zusammensetzung aus den Begriffen Smartphone und Zombie. Gemeint ist damit laut Langenscheidt „... jemand, der wie gebannt auf sein Smartphone schaut und dadurch wie ein Zombie durch die Gegend läuft“. In Stockholm gibt es wohl bereits ein „Smombie-Warnschild“, um Verkehrsteilnehmer auf die Gefahr der Kollision mit Handy-Junkys, die auf ihr Handy-Display starren, aufmerksam zu machen. Arend nannte als weitere Gefahr, dass bei übermäßigem Gebrauch möglicherweise die sprachliche Ausdrucksfähigkeit ins Hintertreffen geraten kann. Der Schülerliteraturwettbewerb zeige hingegen, dass es auch junge Menschen gibt, die in der Lage sind, sprachlich Beachtliches zu leisten, mit ungewöhnlichen Ideen und viel Kreativität.

Dr. Harald Parigger über den Schreibstil der Siegerin Franziska Unger: lakonisch, in derber, manchmal harter Sprache. Und: Elliptisch – ein bisschen wie Hemingway

Laut Juror Dr. Harald Parigger – er ist Direktor der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit sowie Buchautor – merkt man sehr schnell, ob eine Geschichte „etwas taugt“, wenn man liest, ohne den Rotstift anzusetzen, sich der Geschichte überlässt. Seine Überzeugung: „Was den Lesefluss am empfindlichsten stört sind Klischees  in Handlungssträngen und Bildern.“ Bekannte Metaphern und Beschreibungen führen dazu, dass  man einen Text schnell zur Seite legt. Franziska Ungers Geschichte „Nie mehr“ habe er hingegen in einem Rutsch gelesen. Er wollte wissen, was sich abspielt und wie das ausgeht.

Ein junger Mann hat einen schrecklichen Verlust erlitten, seinen besten Freund verloren, worüber er verzweifelt, ja fast besessen trauert, in Wahnvorstellungen verfällt, den Bezug zur Realität verliert, Gefahr läuft, sein Leben zu verlieren. Mutter und Schwester kämpfen um ihn. Pariggers Fazit: „Doch erst, als er es selbst schafft, sich aus dem Teufelskreis von Trauer, Erinnerungen und Selbstmitleid zu lösen, kehrt er ins Leben zurück.“ Franziska habe nicht in klischeehafter Sprache geschrieben, sondern „lakonisch, in derber, manchmal harter Sprache. Elliptisch – ein bisschen wie Hemingway“. Die Geschichte sei normal und außergewöhnlich zugleich. Normal, weil es normal ist, dass junge Menschen hochemotionale Beziehungen aufbauen. Außergewöhnlich, weil die junge Autorin in kraftvoller, glaubwürdiger Sprache schreibt und fast nie in falsches Pathos verfällt. Laut Parigger ein verdienter 1. Platz.

Franziska hat bereits zum dritten Mal am KWA Schülerlliteraturwettbewerb teilgenommen – vor zwei Jahren wurde ihre Geschichte „Kanonenorchester“ prämiert. Und sonst? Sie hat schon im Schultheater des Gymnasiums Ottobrunn mitgespielt – laut Lehrer Matthias Müller sehr engagiert. Davon abgesehen lernt sie in ihrer Freizeit Japanisch und spielt gerne Cello, im Streicherensemble der Rosemarie-Theobald-Musikschule in Ottobrunn. Sie liest auch gerne, ihr Lieblingsautor ist Christoph Marzi. – Allerdings hat sie hauptberuflich keine literarischen Ambitionen: Franziska möchte Physikerin werden.

Dr. Gabriele König über die Geschichte von Marisa Burkhardt: ein klug durchdachter Plot, ein irritierender Einstieg und die ungewöhnliche Thematik Hochbegabung

Einen Baum oder eine Hängematte hätte Jurorin Dr. Gabriele König, Geschäftsführerin der Kinder-Akademie Fulda, als Lieblingsplatz erwartet, jedoch nicht den eigenen Kopf, und auch nicht eine so außergewöhnliche Geschichte. Die Autorin des Beitrags „Kopfsache“ Marisa Burkhardt – die 15-jährige Münchnerin besucht eine 9. Klasse des Gymnasiums Neubiberg – zieht die Geschichte am hochbegabten Protagonisten Theo auf, der zum Einstieg über die Lebensdauer und das Gedächtnis von Fliegen nachdenkt. Laut Laudatorin König ist mit Hochbegabung einerseits Neid verbunden, andererseits kennen Hochbegabte das Gefühl von Misstrauen, Enttäuschung und Unsicherheit. „Der Umgang mit Menschen, die nicht der Norm entsprechen, fällt unserer Gesellschaft nicht eben leicht“, Köngis Einschätzung. Der Protagonist von Marisa Burkhardts Geschichte scheint diese Gefühle zu kennen.

Von Theos Mitschülern werden „der Club“, „das Bett“ und „der Sportplatz“ als Lieblingsplätze genannt, wie erwartet. Das langweilt Theo. Doch dann ergreift auch ihn das vom Lehrer an die Tafel geschriebene Thema. Er gibt sich seinen eigenen Überlegungen hin, begibt sich im Traum auf eine Reise durch seinen Kopf, kommt zum Schluss, dass er sich dort am liebsten aufhält: bei seinen Gedanken. Die Jungautorin überzeugte die Jury durch „den klug durchdachten Plot, den irritierenden Einstieg mit der Fliege und die Thematik Hochbegabung“. 

Marisa hat zum ersten Mal an einem Schreibwettbewerb teilgenommen, liest jedoch gerne. Sie holt sich vor allem Krimis und Erzählromane aus der Bücherei, ist manchmal positiv überrascht, manchmal negativ. Sie sagt: „Ein gutes Buch ist für mich, wenn man nicht merkt, wie man die Seiten umschlägt und auf der letzten Seite entdeckt: Jetzt ist es ja schon vorbei.“

Dr. Erich Jooß über den literarischen Beitrag der Eisschnellläuferin Marieke Bohn: Das Stakkato der Sätze entspricht dem Tempo des Wettlaufs

„Keine Freunde – alles Gegner.“  - Mit diesem Zitat aus Marieke Bohns Beitrag startete Juror Dr. Erich Jooß, Vorsitzender und Vorstandsmitglied des Medienrats der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien sowie Buchautor, seine Laudatio auf den Beitrag der 16-jährigen Preisträgerin aus Neubiberg, die am Gymnasium Neubiberg eine 10. Klasse besucht. Laut Jooß ist der Beitrag eher eine Reportage, denn eine Erzählung.

Der ungewöhnliche Lieblingsplatz der Autorin ist eine Eislaufarena. Marieke fokussiert sich mit ihrem Text auf die Situation des Wettkampfes. Was den Juroren gefallen hat sind die präzisen Beschreibungen, mit knappen Sätzen wie „Schritt für Schritt. Abstoß für Abstoß“. Die Bewertung von Jooß: „Das Stakkato der Sätze entspricht dem Tempo des Wettlaufs. – Insoweit stimmt dieser kurze atemlose Text überein mit dem Inhalt. Form und Inhalt fallen zusammen.“ Postitiv aufgefallen sind zudem das ungewöhnliche Thema und die ungewöhnliche Machart. Die letzten beiden Sätze des Beitrags sagen laut Jooß sehr viel aus über die „Schreiberin“: „Kopfhörer rein – Musik an. Konzentration. Auf den nächsten Lauf.“

Die Authentizität der Beschreibungen von Marieke Bohn wird umso glaubwürdiger, wenn man weiß, weshalb sie nicht zur Preisverleihung kommen konnte: Sie nahm an einem Eisschnelllauf-Wettbewerb teil. Marieke Bohn liegt nach drei Wettbewerben zu den deutschen Juniorenmeisterschaften auf Rang 2. – Sie ist in Top-Form, lief am 7. Februar in Inzell 3.000 Meter in einer persönlichen Bestzeit von 4:55.54, sechs Tage später, wiederum in Inzell, folgte eine persönliche Bestzeit über 100 Meter: 12.55. Am 5. März dann hier in München nahm sie die 300 Meter in 30.06 – auch das, eine neue persönliche Bestzeit. Ein vielversprechendes Talent.

Das Vokalensemble des Gymnasiums Ottobrunn unter der Leitung von Matthias Müller bot im Rahmenprogramm Chormusik: Zum Einstieg in die Preisverleihung „Jesu, meine Freude“, eine Chorfassung, die auf der bekannten Motette von Johann Sebastian Bach basiert,  auf besonderen Wunsch von Gisela Hüttis zudem „Haus am See“ von Peter Fox und den Abba-Superhit „Thank You for the Music“. Die jungen Sängerinnen und Sänger begeisterten das Publikum durch sichtbare Freude am Singen und wunderbaren Gesamtklang. Jana Salehi und Raimund Joswig brillierten als Gesangssolisten, Katharina Grünwald begleitete souverän am Klavier.

Sieglinde Hankele

Die prämierten Texte zum Nachlesen:
Nie mehr von Franziska Unger
An meinem Lieblingsplatz von Marieke Bohn
Kopfsache von Marisa Burkhardt


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