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Talk in der Rosenau: Monique Würtz im Gespräch mit Ruth Maria Kubitschek

Die durch Bühnen- und Filmauftritte bekannte "Grand Dame" über ihr Leben im Ruhestand

Konstanz, im Dezember 2015. – Stellen Sie sich vor, Sie wären – so wie ich – nach „dem Talk" nach Hause gekommen und man hätte Sie gefragt: „Ja und? Wie war der Abend mit der Kubitschek?" Was hätten Sie gesagt? – Ich habe geantwortet: „Sie sieht toll aus und sie hat spannend aus ihrem Leben erzählt; da fällt mir nur noch Frank Sinatra ein: I did it my way! Das trifft genau den Kern der Unterhaltung zwischen Ruth Maria Kubitschek und Monique Würtz an diesem Abend!"

Und jetzt zurück zum Anfang: Bei der Begrüßung sagt Rosenau-Chef Herbert Schlecht: „Fast allen von uns sind Sie über die Jahre in Ihren vielen Rollen auf Theaterbühnen, im Fernsehen und im Kino zu einer vertrauten Begleiterin durch das Leben geworden. Und Ihr schönes, ebenmäßiges und unverwechselbares Gesicht hat sich tief in unsere Erinnerungen eingeprägt. Gerne möchten wir darum heute Abend von Ihnen wissen und Anteil daran nehmen, wie Sie jetzt nach der von Ihnen – vor zwei Jahren – beendeten Schauspielkarriere leben, womit Sie sich beschäftigen und wie es Ihnen geht. Im Übrigen sind Sie schon seit einigen Jahren unsere geschätzte Nachbarin auf der Schweizer Seite des Untersees. Fast dreihundert Gäste sind unserer Einladung zum Gespräch mit Ihnen gefolgt. Was für ein Beweis unserer besonderen Wertschätzung für Sie!“

Monique Würtz führt aus: „Nach sechzig Jahren Ihrer großen Bühnen-, Fernseh- und Filmkarriere haben Sie sich im Spätsommer 2014 ganz bewusst entschieden, sich aus Ihrem Beruf zurückzuziehen; nur noch dem zu leben, was Ihnen wichtig ist. Der Rückzug der „Grande Dame" des deutschen Films, wie Sie oft bezeichnet werden, ins Private war ein richtiger Paukenschlag!"

Kubitschek sagt: Loslassen ist kein Ende, sondern öffnet meist ein Tor

Ruth Maria Kubitschek unterbricht: „Mit 83 Jahren sollte es einem doch nicht zu schwer fallen, den Beruf aufzugeben", ihr Rückzug sei kein Verlust, sondern Befreiung gewesen und Gelegenheit, sich Neuem zuzuwenden. Zu jedem Leben gehörten Erfolge und Augenblicke des Glücks genauso wie Brüche, Enttäuschungen und Trauer; hier eine Balance zu finden setze die Fähigkeit voraus, im richtigen Moment loslassen zu können. Auch sie habe Jahre gebraucht, um das zu verstehen. Heute wisse sie, dass Loslassen kein Ende sei, sondern meistens ein Tor öffne, durch das man schreiten und sich Neuem öffnen könne.

Die Karriere habe ihr viel bedeutet, schon als vierjähriges Kind habe sie vom Beruf der Schauspielerin geträumt. „Und ich wusste noch nicht einmal, was das ist!" – Weder die Erfahrungen von Flucht und Entbehrungen im Zweiten Weltkrieg, wo die Mutter mit fünf Kindern völlig mittellos und allein da stand, weil der Vater im Krieg war, und ihre Überforderung, als ihr die vier kleineren Geschwister anvertraut wurden, weil die Mutter schwer erkrankte, noch ihre spätere Verzweiflung und Flucht aus einer ungeliebten Stelle als "Dienstmädchen"; nichts habe ihr den Klein-Mädchen-Traum von der großen Schauspiel-Karriere zerstören können. Durchgebissen habe sie sich und an den Theaterschulen in Weimar und Halle eine qualifizierte Theaterausbildung erhalten. Später sei sie von einem Gastspiel im Westen nicht mehr in den Osten zurückgekehrt. Nach Theater-Engagements in Celle und Hamburg gelang ihr der Sprung nach München. An den Münchner Kammerspielen habe Korthner sie so richtig gezwiebelt, aber ihm verdanke sie – bis heute – das richtige Sprechen auf der Bühne.

In "Monaco Franze" und "Kir Royal" brillierte sie unter der Regie von Helmut Dietl

Als Monique Würtz anhebt „Ihr Durchbruch kam 1964 mit dem Durbridge-Straßenfeger Melissa, Sie brauchten nur ein paar Minuten…" setzt Kubitschek fort „… neun Minuten, die ich als Melissa im Film noch nicht einmal überlebt habe!" Sie habe die Rolle nur angenommen, um den Eltern, die inzwischen auch im Westen lebten, beim Kauf von einigen Möbeln helfen zu können. – Würtz hält dagegen: „Aber es war Ihr Durchbruch. Wenn eine Karriere dann Jahrzehnte überdauert, kann das kein Zufall sein. Filme wie "Monaco Franze" oder "Kir Royal" unter der Regie von Helmut Dietl sind die Kultfilme schlechthin geworden und", so Monique weiter, „Rollen wie die der Brauerei-Besitzerin Frau Balbeck in Das Erbe der Guldenburgs sind Ihnen buchstäblich auf den Leib geschrieben worden. Die Liste Ihrer großer Film- und Fernseherfolge ist fast unendlich."

Helmut Dietl – so der Gast – sei ein Regisseur mit einem außergewöhnlichen Gespür für richtige Stoffe und die richtigen Schauspieler gewesen. „Kir Royal und Monaco Franze sind so erfolgreich geworden, weil sie so genau das Lebensgefühl der Menschen der 80er-Jahre getroffen haben." Helmut Dietl verdanke sie auch persönlich viel: Er sei es gewesen, der ihr die „intelligente Leichtigkeit des Spielens" beigebracht habe, die sie über die Film und Theaterarbeit hinaus auch in ihr „Leben danach“ mitgenommen habe.

Der Maßstab für den Wert der Arbeit eines Schauspielers sei fast immer nur der Erfolg in seiner letzten Rolle. Das sei ein flüchtiger Wert. Irgendwann habe sie die Sehnsucht nach etwas erfasst, was sie für ein erfülltes Leben ansehe.                     
 

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