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Preisträger des 1. KWA Schülerliteraturwettbewerbs Aalen: Julia Mildner, Noëmi Burgenmeister und Robert Mokry

Thema: Über Grenzen - Die Jury: Valentina Bullinger, Ulrike Schneider, Michael Steffel - Wettbewerbsleitung: Manfred Zwick - Stifter der Preise: Förderverein des Albstifts - Klavierdarbietungen zur Preisverleihung: Matthias Steffel

Aalen, 22. Oktober 2015. - Den zwanzigsten Hausgeburtstag nahm Stiftsdirektor Manfred Zwick zum Anlass, erstmals einen KWA Schülerliteraturwettbewerb für die Region Aalen auszuloben. Und so rief das KWA Albstift Aalen in diesem Frühjahr Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 11 dazu auf, Beiträge einzureichen: zum Thema "Über Grenzen".

Manfred Zwick: Wenn man Grenzen überschreitet, hat man die Möglichkeit Neues zu entdecken

Manfred Zwick beschrieb in seiner Eröffnungsrede zur Preisverleihung, was er mit dem Thema assoziiert: Landesgrenzen, andere Kulturen, andere Sitten, andere Bräuche, Grenzen im Kopf, Grenzerfahrungen und Grenzüberschreitungen, verbunden mit moralischen und ethischen Aspekten. Im Moment natürlich auch die vielen Menschen, die ihre Heimat verlassen und dabei mehrere Landesgrenzen passieren. Aber auch: Eigene Grenzen überwinden und auf andere zugehen. Zwicks Überzeugung: "Wenn man Grenzen überschreitet, hat man die Möglichkeit, Neues zu entdecken." Über die inhaltliche Vielfalt bei den eingesandten Beiträgen hat sich der Wettbewerbsleiter gefreut. Einen Absatz, der ihn besonders angesprochen hat, las er zur Einstimmung vor:

"Der Mensch wird sein ganzes Leben lang eingegrenzt. Es fängt an, sobald er als Kleinkind beginnt zu verstehen, mit Verboten - „Das darfst du nicht.“ und Altersbegrenzungen - „Dafür bist du noch zu jung." Das zieht sich durch das ganze Leben, endet auch nicht im Alter, wo die körperlichen Einschränkungen immer engmaschigere Grenzen ziehen und endet erst, wenn der Mensch wieder aufhört zu verstehen. Wahrscheinlich gibt es im ganzen Leben keine Phase, in der man sich mehr in der Lage fühlt, alle Grenzen zu sprengen, wie als Teenager. Mein persönliches Empfinden bestätigt das." - Ein Zitat aus dem Siegerbeitrag.

Valentina Bullinger: Der Beitrag von Julia Mildner vermittelt, dass Grenzen nicht nur Verbote bedeuten, sondern auch Selbstschutz und ein Ausdruck von Respekt sein können

Den mit dem 1. Platz ausgezeichneten Beitrag "Mit Bleistift und Radiergummi" der siebzehnjährigen Julia Mildner aus Aalen, einer Schülerin des Theodor-Heuss-Gymnasiums, würdigte Jurorin Valentina Bullinger mit einer Laudatio.

Bullinger zitierte zum Einstieg Nathaniel Hawthorne: "Was einfach zu lesen ist, ist verdammt hart zu schreiben" und bescheinigte der Preisträgerin: "Dein Beitrag war verdammt gut zu lesen und verdammt gut durchdacht." Die Protagonisten in Julias Plot haben ihre individuellen Grenzen, zu Hause, in der Schule oder gegenüber dem anderen Geschlecht, und denken darüber nach, diese Grenzen einfach mit dem Radiergummi wegzuradieren. "Aber was ist, wenn wir Grenzen einfach wegradieren? Sind wir dann grenzenlos?" Die Protagonisten in Julias Geschichte erkennen laut Bullinger, dass Grenzen nicht nur Verbote bedeuten, sondern manchmal auch Selbstschutz und Respekt. Grenzen seien also von zwei Seiten zu betrachten. Die Jury wertete den Beitrag als großartige Leistung: den komplex verzweigten Aufbau, die anspruchsvolle Sprache, das Spielen mit Sprache, den Wortwitz - raffiniert, kurzweilig, pointiert. Mit diesem Beitrag habe sich Julia den 1. Platz redlich verdient. 

Julia Mildner ist in der Stadtbibliothek quasi zu Hause, ein richtiger "Bücherwurm". Selbst schreibt sie nur dann, wenn sie ein Thema wirklich interessiert. Sie hat zum ersten Mal an einem Schreibwettbewerb teilgenommen. Zusammen mit Andreas Sienz betreut sie die Schülerzeitung "Der Spion". Dennoch möchte sie keinen Beruf daraus machen, sondern voraussichtlich Chemie studieren. Julia und die Zweitplatzierte - Noëmi Burgenmeister - sind seit Jahren ziemlich beste Freundinnen. Sie haben sich ihre Geschichten aber erst zum Lesen gegeben, nachdem sie fertig waren: weil sie sich nicht gegenseitig beeinflussen wollten. 

Michael Steffel: Der gute Plot, der Aufbau, das zügige Voranschreiten sowie die hohe Qualität und Bildhaftigkeit der Sprache zeichnen die Geschichte von Noëmi Burgenmeister aus

Juror Michael Steffel ehrte die siebzehnjährige Noëmi Burgenmeister aus Aalen, ebenfalls eine Schülerin des Theodor-Heuss-Gymnasiums, mit einer Laudatio auf ihren Beitrag "Mit dem Dickkopf durch die Mauer - Starrsinn und Wille als Hammer und Meißel". Die Jury sprach dieser Geschichte den 2. Platz zu.

Juror Steffel machte keinen Hehl daraus, dass es seine Lieblingsgeschichte ist. Sie zeichne sich aus durch zwei Handlungsstränge: Der eine beschreibt die Gegenwart in Form von Gedanken einer im Wachkoma liegenden Frau, die zwar einiges wahrnehmen, sich aber nicht mitteilen kann, der andere beschreibt die Vergangenheit mit Kindheit und Jugend in der ehemaligen DDR bis zum Fall der Mauer 1989. Bei beiden gehe es um die Überwindung von Grenzen: Beim einen um die Grenze zwischen Koma und Bewusstsein, beim anderen um die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten. Besonders gefallen hat Steffel der gute Plot und der starke Fluss, der Aufbau sowie der Spannungsbogen bis hin zum Schluss mit einem großen Knall, die hohe Qualität und Bildhaftigkeit der Sprache und das zügige Voranschreiten. Die Lebensumstände in der ehemaligen DDR seien von der Autorin sorgfältig recherchiert worden. Das sei so wirklichkeitsnah, als ob Noëmi vor Ort gewesen wäre. Nach dem Applaus legte Steffel noch nach: "Was mir als Bibliothekar persönlich besonders gefallen hat an der Geschichte, ist, wie du die Wirkung von Bücher beschreibst." - Der Juror las dann auch noch eine Stelle aus dem Beitrag vor: "Keine Bücher waren mir geschenkt worden, sondern eine neue Welt, wo keine engstirnigen Mütter, keine intoleranten Lehrer und keine Mauern mich gefangen hielten." Besser könne man kaum beschreiben, was Literatur bedeuten kann.

Noëmi Burgenmeister durfte ihr Schreibtalent bereits trainieren: Im Rahmen einer Schreibwerkstatt in Marbach. Die von ihr im Vorfeld eingereichte Geschichte hatte zu einer Einladung geführt. Als Noëmi über einen möglichen Plot zum Thema "Über Grenzen" nachdachte, drängte sich die Flüchtlingsproblematik regelrecht auf. Doch sie entschied sich dagegen, gestand nach der Preisverleihung: "Da bin ich viel zu wütend, wie man mit ihnen umgeht. Ich wollte über etwas schreiben, wo ich mehr Distanz habe."  Sie schreibt auch jetzt gerade an einer Geschichte und bekennt: "Ich möchte auf jeden Fall Literaturwissenschaften studieren." 

Ulrike Schneider: Robert Mokrys Beitrag stellt gesellschaftliche Fragen, fordert dazu auf, nicht wegzuschauen, sondern sich einzumischen 

"Bei der Lektüre der Beiträge hat sich gezeigt, wie kreativ und ernsthaft die Jugendlichen zu Werke gehen", so die erste Jurorin, die ans Rednerpult trat: Ulrike Schneider. Sie hielt eine Laudatio zum Beitrag "Eingegrenzt? – Grenzen überwinden!" des fünfzehnjährigen Robert Mokry aus Neresheim, Schüler des Hellenstein-Gymnasiums Heidenheim. Er wurde mit dem 3. Platz gewürdigt.

Die Geschichte handelt von einem älteren Mann, der mit seinem Hund einen Abendspaziergang macht und dabei zum Held wird: Als er an einem Heim für Flüchtlinge vorbeikommt, wird er Zeuge einer Brandstiftung und alarmiert die Rettungskräfte. Der Einstieg mit dieser Szene erzeugt laut Schneider eine surreale Atmosphäre, die verbunden ist mit Spannung, die sich bis zum Ende fortsetze. Mokry bewegt sich mit seinem Protagonisten in verschiedenen Zeitebenen: Der alte Mann taucht in die eigene Vergangenheit ein, denkt zurück an die Zeit, in der er als Kind selbst die Heimat verlassen musste, und an die Nachkriegszeit, in der er als junger Mann wieder Fuß gefasst hat. Der innere Monolog sei die passende Erzählform, die Geschichte entwickle sich, sprachlich fundiert, unterhaltsam formuliert, kurzweilig. Der Protagonist überwindet eigene Grenzen. Robert Mokry stelle der Gesellschaft Fragen zu Toleranz und Offenheit, fordere dazu auf, nicht wegzuschauen, sondern sich einzumischen.

Robert Mokry liest gerne Krimis, empfand das Thema zunächst als schwierig. Als die Idee dann da war, hat er den Plot relativ zügig verfasst. Der 15-Jährige ist kein Wettbewerbs-Neuling: 2012 und 2014 hat er beim "Tom-Sawyer-Preis" - einem Schülerschreibwettbewerb der Stadt Rees - jeweils den 2. Platz in seiner Altersklasse erzielt. Robert liest gerne Krimis, möchte das Schreiben als Hobby fortführen. Möglicherweise gibt es in Kürze eine Geschichte über China. Robert ist erst vor Kurzem von dort zurückgekeht, nach einem 8-wöchigen Aufenthalt im Rahmen einer Schulkooperation.

Urkunden sowie Geldprämien in Höhe von 250 Euro an Julia Mildner, 100 Euro an Noëmi Burgenmeister und 50 Euro an Robert Mokry verliehen Wettbewerbsleiter Manfred Zwick, die Vorsitzende des Fördervereins Sieglinde Bullinger und Fördervereins-Schatzmeister Hubert Deininger.

Matthias Steffel präsentierte zur musikalischen Umrahmung der Preisverleihung: 

Johann Sebastian Bach - Invention Nr. 8
Wolfgang Amadeus Mozart - Türkischer Marsch
Edvard Grieg - Trolltog
Franz Schubert - Impromptu

Die prämierten Beiträge:

1. Platz: Mit Bleistift und Radiergummi, von Julia Mildner
2. Platz: Mit dem Dickkopf durch die Mauer, von Noëmi Burgenmeister
3. Platz: Eingegrenzt? - Grenzen überwinden!, von Robert Mokry

 



1. Reihe, von links: Manfred Zwick (Wettbewerbsleiter), Noëmi Burgenmeister (2. Platz), Julia Mildner (1. Platz), Robert Mokry (3. Platz), Sieglinde Bullinger (Vorsitzende des Fördervereins), Hubert Deininger (Schatzmeister des Fördervereins); 2. Reihe, von links: die Juroren Michael Steffel , Valentina Bullinger und Ulrike Schneider


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