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„Öffentliche Prügel fürs Nachdenken über die künftige Pflegeausbildung – das geht gar nicht!“

KWA Vorstand Dr. Stefan Arend zur aktuellen Diskussion um die Reform der Pflegeausbildung

Unterhaching, 22. Oktober 2015. – Man möchte seinen Augen und Ohren nicht trauen, wenn man die aktuelle Pressemitteilung des Deutschen Pflegerats (DPR) vom 20.10.2015 liest. Dort gehen der DPR und sein Präsident Andreas Westerfellhaus mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel hart ins Gericht. Denn aus Sicht des DPR hatte Rüddel die Kühnheit besessen, angesichts der sich mittlerweile deutlich ausweitenden kritischen Stimmen über die bisherigen Ideen zur Reform der Pflegeausbildung  noch einmal gründlich nachzudenken. Angesichts der wachsenden Herausforderungen an Pflege und die professionell Pflegenden durchaus nachzuvollziehen. 

Für diesen Wunsch zum Nachdenken, bevor es im Bundestag zur Abstimmung kommt, erhält der Bundestagsabgeordnete nun öffentlich Prügel vom DPR. Denn der Pflegerat sieht durch die Haltung des Abgeordneten die vom DPR favorisierte Generalistik in Gefahr. Westerfellhaus bezieht sich bei seiner Kritik auf die Versprechungen im Koalitionsvertrag. Es sei eine „Blamage für die Bundesregierung“, so Westerfellhaus, wenn die Reform scheitern würde.

Wenn man aber in den Koalitionsvertrag schaut, dann stellt man fest, dass dort etwas ganz anderes steht: „Der Wechsel zwischen den Berufen in der Pflege muss erleichtert werden. Wir wollen die Pflegeausbildung reformieren, indem wir mit einem Pflegeberufegesetz ein einheitliches Berufsbild mit einer gemeinsamen Grundausbildung und einer darauf aufbauenden Spezialisierung für die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege etablieren.“

Über diese differenzierte Aussage, bei der das Wort Generalistik gar nicht vorkommt, spricht der DPR nicht. Es besteht vielmehr die Gefahr, dass Ängste gefördert werden, wenn der DPR in seiner aktuellen Pressemitteilung ausführt, dass ohne die Reform der Pflegeausbildung die Bundesregierung den Bürgern schaden würde, die pflegerische Hilfe benötigen.

Unbestritten ist, dass es einer Weiterentwicklung und gegebenfalls auch inhaltlicher Kurskorrekturen bei der dreigliedrigen Pflegeausbildung bedarf. Unbestritten ist aber auch, dass in einer Gesellschaft des langen Lebens insbesondere der Altenpflege(ausbildung) eine besondere Rolle für eine gelingende Pflege zukommt. Es sollte von daher in der Tat sehr gut überlegt sein, ob man diese Ausbildung wirklich in einer generalistischen Ausbildung aufgehen lässt – so wie es der DPR sich vorstellt. Von daher: Öffentliche Prügel für den Wunsch zum Nachdenken –  das geht gar nicht! Vor allem nicht bei einer so zentralen gesellschaftlichen Frage. 


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