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50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
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Dem Ehrenamt auf der Spur – beim Seniorentag

Beim Deutschen Seniorentag in Frankfurt beleuchtete KWA Kuratorium Wohnen im Alter bürgerschaftliches Engagement. Dr. Stefan Arend leitete eine Podiumsdiskussion, an der ehrenamtlich Engagierte teilnahmen.

Schülerinnen des Edith-Stein-Gymnasiums kommen im Rahmen eines Seminars regelmäßig ins KWA Georg-Brauchle-Haus, um mit Bewohnern etwas zu unternehmen – Gespräche, Musik, Kunst und Tanz inklusive. Was sie am Seniorentag berichteten?

Natascha Berger, Abiturientin des Edith-Stein-Gymnasiums: „Wir haben zum Beispiel einen Tanznachmittag veranstaltet, an dem eine Tanzgruppe unserer Schule einen Hip-Hop aufgeführt hat und wir die Bewohner animiert haben, mitzumachen. Es gab auch einen Biergartenbesuch und einen Besuch im botanischen Garten. – Es erfüllt einen, wenn man sieht, wie die Bewohner sich freuen, wenn sie lachen. Wenn sie versuchen, beim Tanzen mitzumachen. Man geht immer mit einem Lächeln raus.“ – Zufriedenheit durch Engagement.

„Es erfüllt einen, wenn man sieht, wie die Bewohner sich freuen …“

Petra Sachs, KWA Ehrenamtsbeauftragte und Kundenbetreuerin im KWA Georg-Brauchle-Haus: „Ganz spannend war an diesem Tanznachmittag, dass die Mädchen wieder sehr viel gelernt haben. So einfach war es nämlich nicht, unsere Bewohner davon zu überzeugen, sich entsprechend zu bewegen. Es wurde ganz schnell improvisiert und umgestellt. Und das spricht für das Engagement der jungen Damen, dass sie ganz schnell vom iPhone andere Musik heruntergeladen haben. Walzer, Cha-Cha-Cha und Lieder, die unsere Generation kennt. – Und dann ging das plötzlich.“ – Flexibilität ist hilfreich beim Engagement.

Anna-Lena Walter, Jurastudentin, ehemalige Schülerin des Edith-Stein-Gymnasiums München: „Es entstehen lustige Momente. Es entstehen tiefgründige Gespräche, wo es auch um ernste Themen geht. – Ich hatte ein Schlüsselerlebnis. Eine Bewohnerin hat mir erzählt, dass ein Freund von ihr in den Krieg gezogen ist. Er kam zurück und musste ganz zum Schluss noch mal an die Front – und fiel dort. Die Dame war in dem Moment so berührt, hat auch angefangen zu weinen. Mich hat das so beschäftigt, dass ich noch tagelang darüber nachgedacht habe, was wir zur Prävention leisten können. Dass wir Erfahrungen der älteren Gesellschaft lernen und in Erinnerung halten, dass uns so etwas nicht passiert.“ – Neue Erkenntnisse durch Engagement.

Auch zahlreiche Bewohner von KWA Wohnstiften engagieren sich ehrenamtlich. Stellvertretend für viele andere waren zwei nach Frankfurt mitgekommen.

Horst Dietzer, Bewohner des KWA Kurstifts Bad Dürrheim: Vor dem Einzug ins Wohnstift hat er im fränkischen Rottendorf mit Unterstützung von bis zu 100 Personen eine lokale Agenda 21 entwickelt und damit wertvolle Impulse in der Kommune gesetzt. Im Wohnstift hat er lange Zeit als Stiftsbeiratsvorsitzender gewirkt. Auch hat er einige Male alternovum-Beiträge eingesprochen: Für Bewohner, die nicht mehr gut lesen können, gibt es auf alternovum.de ja Audio-Versionen. Aktuell engagiert Horst Dietzer sich in einem Kindergarten als Lesepate. Was er dazu sagt? „Ich hab einmal den Drachen Kokosnuss vorgelesen, eine ganz spannende Geschichte – dachte ich zumindest. Und auf einmal fragte mich ein Kind: Warum hast du eine Glatze?“ – Ehrenamt hält auch Überraschungen bereit. Eine Anregung von Horst Dietzer, zum Abschluss der Diskussion: „Es muss auf jeden Fall vermieden werden, dass das Hauptamt glaubt, im Ehrenamt eine Konkurrenz zu haben. – Dass das keine Konkurrenz ist, sondern dass das nur zusammen laufen kann.“

Erika Guter, Bewohnerin des KWA Georg-Brauchle-Hauses, hat im Münchner Tierschutzverein vierbeinige Patenkinder, die sie finanziell unterstützt und hin und wieder besucht. Ihr Hauptaugenmerk gilt jedoch einem bundesweiten Tierschutzverein, speziell für Katzen. Dort ist sie
seit 35 Jahren aktives Mitglied. Sie kümmert sich beispielsweise ehrenamtlich um Katzen, wenn Herrchen oder Frauchen im Urlaub sind. Und: Sie organisiert gemeinsam mit einer anderen Bewohnerin einen Flohmarkt zugunsten des Vereins. Alle 14 Tage werden Waren feilgeboten. Erika Guter sagt: „Also mir wird’s nicht langweilig. Aber ich will es auch gar nicht anders.“ – Ehrenamt als erfüllende Aufgabe.

„Also mir wird’s nicht langweilig. Aber ich will es auch gar nicht anders.“

Eine weitere Facette bürgerschaftlichen Engagements zeigen Menschen, die im Umfeld von KWA Stiften wohnen und sich dort einbringen. Ludwina Kaindl repräsentierte diesen Personenkreis bei der Podiumsdiskussion.

Ludwina Kaindl malt und liest gerne. Sie bemalt Glückwunschkarten, die im Georg-Brauchle-Haus zugunsten des Freundeskreises verkauft werden. Und: Sie kommt regelmäßig ins Wohnstift, um einer literaturbeflissenen Bewohnerin vorzulesen. Ludwina Kaindl berichtet: „Die Bewohnerin sucht die Bücher aus. Und wir lesen uns abwechselnd vor. Manchmal geht es ihr nicht so gut, dann lässt sie mich mehr lesen. Aber meistens sagt sie dann: Ach, jetzt möchte ich mal wieder lesen. Und dann merkt sie: Es geht doch. Und es macht uns beiden sehr viel Freude.“ – Hobbys können zum Ehrenamt werden. Eine Vermutung von Ludwina Kaindl: „Ich glaube, es gibt sehr viel alte Menschen, die in der Lage wären, etwas zu tun. Die aber nicht den Mut haben, damit anzufangen. Ich hab das auch jahrelang im Hinterkopf gehabt, ehe ich mich getraut habe. Vielleicht sollte man mehr dafür öffentlich werben.“

Karin Ihringer, Leiterin der Kundenbetreuung bei KWA, betrachtet das Unternehmen: „KWA Kuratorium Wohnen im Alter wurde im Jahr 1966 als gemeinnütziger Verein gegründet. Damals war es also auch bürgerschaftliches Engagement, das diesen Verein ins Leben gerufen hat. Es waren Bürger des Mittelstandes, die die Wohnstiftsidee hatten und den Weg bereitet haben.“ Ihringer betont: „Ohne bürgerschaftliches Engagement wäre das Leben in den KWA Häusern ein ganzes Stück ärmer.“

Dr. Stefan Arend, KWA Vorstand, als Leiter der Diskussion in seinem Resümee: „Frau Sachs hat etwas Richtiges gesagt, auch in Richtung der Verantwortlichen: Kein Ehrenamt funktioniert ohne Hauptamt, ohne Ressourcen, ohne Unterstützung. Ehrenamt ist – auf Neudeutsch – Addon und ersetzt keine hauptamtlichen Stellen.“ Und, nach einem Beitrag aus dem Publikum: „Die Befähigung unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter in allen Einrichtungen ist etwas, was begleitet werden muss. Ehrenamtlichen bei KWA Fortbildungen anzubieten und ihnen Zugang zum KWA Akademieprogramm zu eröffnen, ist eine Aufgabe und Herausforderung für uns.“

Erschienen in alternovum. Das KWA Journal 03/2015

 


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