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KWA Hausjubiläum in Bielefeld: 20 Jahre Caroline Oetker Stift (Seite 2)

Festvortrag über Altersbilder von Dr. Katharina Gröning, Professorin an der Universität Bielefeld, an der Fakultät für Erziehungswissenschaft

Professor Dr. Katharina Gröning von der Universität Bielefeld nahm in ihrem Festvortrag Altersbilder unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten unter die Lupe, beschrieb den Wandel  von Altersbildern im Lauf der Jahrhunderte. Sie verwies dabei auf den Wissenschaftler Peter Borscheid, der sich viel mit Kunst und Kultur im Alter befasst hat – und belegte ihre Ausführungen mit beispielhaften Bildern. Denn: In der Kunst kann man sehen, wie sich das Altersbild wandelte.

Dr. Katharina Gröning: Altersverehrung und Altersverachtung lösen einander ab

In Epochen gesellschaftlichen Fortschritts finden sich positive Altersbilder, in gesellschaftlich schwierigen Epochen hingegen negative. Die Professorin zeigte zunächst Bilder aus der Antike und dem Mittelalter: Bilder, die alte Menschen überwiegend in Verbindung mit Krankheit, Schwachheit und Tod darstellen. Auf diese negativen Altersbilder haben alte Menschen mit Religiosität, Weltabgewandheit, Weisheit und Verzicht reagiert – um sich zu schützen.

In der Epoche des Biedermeier habe es erstmals einen großen Bruch gegeben: Es gab hier auch romantische Altersbilder. Dazu präsentierte sie ein Gemälde von einer Goldenen Hochzeit, bei dem die Jüngeren dem Paar freundlich zugewandt sind. Mit dem Jugendstil habe zu Beginn des 20. Jahrhunderts dann die Jugendverehrung begonnen, gleichzeitig habe sich das Bild vom Alter negativ verändert. Das Generationenverhältnis drehte sich, die Jugend erfuhr eine starke Aufwertung.

Altersbilder des 20. Jahrhunderts: von Ruhestand über Unruhestand bis hin zu Altersproduktivität

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es die Idee des Ruhestands, verbunden mit der Einführung einer Altersversorgung. Der Nationalsozialismus beförderte das jedoch nicht, das Alter war wieder negativ belegt. Die große Rentenreform im Jahr 1957 mit der Ankopplung an Löhne beruhte dann laut Gröning auf der Idee, dass man Wohlstand teilt. Das Alter als Zeit der Freiheit und des Zu-sich-Kommens wurde seit den 1960ern verklärt. In den 1970ern wurde das Alter dann richtig „wild“. Unruhestand statt Ruhestand war angesagt. Motorradführerschein und andere aufgeschobene Wünsche wollte man sich nun im Alter erfüllen, statt Enkel zu hüten.

Doch in den 1980ern ist ein negatives Altersbild zurückgekehrt, die Frage der Last aufgeworfen worden und die Frage der Generationengerechtigkeit. Fotos von Senioren beim Strandurlaub in Leitmedien befeuerten die Diskussion. Alten Menschen wurde vorgeworfen, viel zu viele Ressourcen zu verbrauchen. Und so hat sich auch die Politik vom Leitbild des verjüngten Alters verabschiedet.

Ehrenamt und Engagement von Senioren versus „Krieg der Generationen"

In den 1990ern wurde dann sogar ein „Krieg der Generationen“ vorhergesagt. Der Focus titelte auf einem Cover „Jung gegen Alt“ – auch dieses Cover-Bild zeigte die Referentin. Die Reaktion darauf war wiederum die Entwicklung eines Leitbilds der Produktivität des Alters: Ehrenamt und Engagement wurden propagiert. Und die Senioren haben tatsächlich verantwortlich reagiert, diese gesellschaftliche Aufgabe angenommen. Inzwischen gebe es jedoch – im Hinblick auf Hochaltrige, Gebrechlichkeit und Demenz – die Idee, das Alter wieder mehr zu schützen.

Für Gröning stellt sich aktuell die Frage, wie man das Auseinanderdriften von Zeit wieder zusammenbringen kann: Bewohner haben viel Zeit, freuen sich über das Erleben von Jahreszeiten. Mitarbeiter hingegen sind dem Zeittakt der Pflegeversicherung unterworfen.  Zudem stellt sich die Wissenschaftlerin die Frage, welche Philosophie wir brauchen – und nennt Stichpunkte wie „Lob den Alten“ und „postmoderner Umgang mit Scham und Angst im Alter“.

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Ehrengast Hermann Beckmann: Der ehemalige, langjährige KWA Vorstand hat im Jahr 1966 den Verein Münchner Altenwohnstift mitgegründet. Daraus ging KWA Kuratorium Wohnen im Alter hervor, zu dem heute 2 Pflegestifte und 14 Wohnstifte gehören - eines davon ist das Caroline Oetker Stift in Bielefeld. (Foto: Michael Adamski)


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