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Dialog im Stift: mit Walter Momper – Berlin, nun freue Dich!

Der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin im KWA Stift am Hohenzollernpark – Erinnerungen an die Wende 1989/90

Berlin, 19. August 2015. – „Die Frage, was wird aus Deutschland, hat uns alle bewegt“, konstatierte Walter Momper, Regierender Bürgermeister von Berlin, als vor 25 Jahren das geteilte Deutschland und seine Hauptstadt wiedervereinigt wurden. Der als “Mann mit dem roten Schal“ bekannt gewordene Politiker erinnerte sich als Gast beim fünften „Dialog im Stift“ im KWA Stift im Hohenzollernpark an die damaligen Ereignisse. „Da wollte ja jeder Politiker sein Gesichter in die Kamera halten. Und ich merkte, dass ich mit meinem roter Schal im Fernsehen gut sichtbar war“, bekannte Momper im Gespräch mit Moderator Siegfried Knauer-Runge vor großem Publikum.

Sympathisch und unterhaltsam berichtete der 70-jährige „Elder Statesmann", wie er den Zusammbruch der DDR, den Fall der Mauer und das Zusammenwachsen Berlins und Deutschlands miterlebt und mitgestaltet hatte. „Ich war tief beeindruckt von der Euphorie und der Friedfertigkeit der Massen, die sich am 22. Dezember 1989 vor dem Brandenburger Tor eingefunden hatten", so der Ex-Regierende.

„Was denkt man in solch einem historischen Augenblick?“, fragte der Moderator. Die Antwort Mompers: „Es war ein phantastisches Gefühl!“ Da die anwesenden Politiker alle Reden hielten, habe er für seine Rede nach einem guten Abschluss gesucht. „Da fiel mir der Satz ein: Berlin, nun freue Dich!“ Damit habe er genau die Stimmung getroffen, die unter der halben Million Menschen auf dem Platz vorherrschte.

Momper ezählte von den mühseligen Bemühungen seines Westberliner Senats, in Zusammenarbeit mit dem Ostberliner Magistrat, die beiden Teile der Stadt zusammenzuführen. „Auch die Mauer musste weg. Damals hätte niemand verstanden, wenn wir den Betonwall kilometerlang etwa als historisches Mahnmal hätten stehen lassen. Keiner wollte die Schandmauer mehr." So riss die ehemalige DDR-Volksarmee als ihre letzte Aufgabe die Mauer ab – zumindest das, was von den „Mauerspechten“ übrig gelassen worden war.   

Gemeinsam mit dem im Mai 1990 zum letzten Oberbürgermeister von Ostberlin gewählten Timo Schwierzina brachte Momper die Wiedervereinigung der Hauptstadt auf den Weg, was ihnen bald den Namen „Schwierzomper“ einbrachte. „Das war nicht so einfach. Es gab ja fast keine eigene Ostberliner Stadtverwaltung. Da haben viele Westbeamte Überstunden geschoben“, erzählte Momper. „Timo und ich, wir haben uns U-Bahn-Schaffnermützen aufgesetzt, Schaffnerkellen hochgehalten und die ehemals eingemauerten U-Bahnhöfe wiedereröffnet."

Empörung schwang in Mompers Erzählung mit, als er auf die Abstimmung im Bundestag am 20. Juni 1991 zu sprechen kam. Nach zehnstündiger kontroverser Debatte stimmten 338 Abgeordnete für Berlin als deutsche Hauptstadt, 320 dagegen. „Das ging quer durch die Fraktionen", monierte Momper, „die Jungen waren dagegen, die Alten dafür. Dabei hatte der Bundestag schon 1949 beschlossen, Berlin solle für die Bundesrepublik Deutschland „in Zukunft wieder ihre Hauptstadt werden". Aber der "Bonner Klüngel" hatte stark mobilisiert.

Momper hob auch die Bereitschaft der Alliierten – die ja bis dato Kontrollrechte über die Stadt ausübten – hervor, Berlin und Deutschland zusammenwachsen zu lassen. „Die Frage, was wird aus Deutschland, hat uns alle bewegt.“ Aber Amerikaner, Engländer, Franzosen und auch die Sowjetunion glaubten, "dass die Deutschen ihre Lektion aus der Geschichte gelernt hatten“ und befürchteten kein Wiedererstarken „großmachtpolitischer Spinnereien“. 

Momper, den nahezu jedermann in Berlin als den „Mann mit rotem Schal und Berliner Schnauze" kennt, ist übrigens gar kein gebürtiger Berliner. Er wurde 1945 in Sulingen im Landkreis Diepholz, in Niedersachsen geboren, kam aber schon in jungen Jahren in die Stadt, die er schon damals als fantastisch empfunden hatte und auch heute noch empfindet. „Ich sage Ihnen mal was: Die zugezogenen Berliner sind eh die echten Berliner. Denn die lieben ihre Stadt wirklich!“ Über die aufregende Zeit der Wende hat Momper auch ein interessantes Buch geschrieben – unter dem Titel: „Berlin, nun freue Dich!“


19/08/15/skr 

 

Informationen zum Buch:

"Berlin, nun freue Dich!" Mein Herbst 1989
Autor: Walter Momper

Broschiert: 396 Seiten
Verlag: Das Neue Berlin;
Auflage: 1 (8. April 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3360021800
ISBN-13: 978-3360021809
Erhältlich über den Buchhandel oder über amazon 

 

Dialog nach dem Dialog: Walter Momper und zwei Damen aus dem Publikum


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