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Dialog im Stift: mit Dr. Clausjörg Walter von "Ärzte ohne Grenzen"

Journalist Siegfried Knauer-Runge befragt im KWA Stift im Hohenzollernpark den Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisation zu Einsätzen nach Naturkatastrophen und in Krisengebieten

Berlin, 21. Juli 2015. – „Erfolgreich? Sagen wir vielmehr: sinnvoll. Ja, sinnvoll ist unsere Arbeit“, erklärte Dr. Clausjörg Walter, Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“, beim vierten „Dialog im Stift“ im KWA Stift im Hohenzollernpark in Berlin. In der von Stiftsdirektorin Monika Belowski initiierten Veranstaltungsreihe gingen Moderator Siegfried Knauer-Runge und Dialog-Gast Walter der Frage nach, wie wir aus unserem sicheren Deutschland heraus den betroffenen Menschen bei Naturkatastrophen helfen können.

Nach dem Erdbeben in Nepal, den schrecklichen Verwüstungen durch Wirbelstürme oder Tsunamis auf den Philippinen oder dem Ausbruch von Ebola in Westafrika folgten viele Bürger und Bürgerinnen den Spendenaufrufen. Zahlreiche deutsche und internationale Hilfsorganisationen schickten ihre Helfer zu den weltweiten Rettungseinsätzen. „Ärzte ohne Grenzen“ – eine der bekanntesten Organisationen, die noch in den hintersten Winkeln der Katastrophenländer tätig ist, wenn sich andere schon zurückgezogen haben – hat Ärzte, Krankenschwestern, Logistiker und Projektleiter auch in Kriegs- und Krisengebieten wie Afghanistan, Sudan, Irak oder Syrien im Einsatz, so der 66-jährige Chirurg. Er selbst operierte wochenlang Patienten im Jemen, im Irak, im Kongo, und in Jordanien.

„Unsere Prinzipien sind Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit", erläuterte Dr. Walter. Die Organisation leiste medizinische Hilfe für Menschen in Not, „ungeachtet ihrer ethischen Herkunft, politischen und religiösen Überzeugung und des Geschlechts." Dies sei bisweilen nicht einfach. „Da müssen wir oft mit verfeindeten Parteien Kontakt aufnehmen, damit wir überhaupt in die betroffenen Gebiete kommen können.“

In seinem interessanten Fotovortrag veranschaulichte der Arzt, der seine freiwilligen, humanitären Auslandseinsätze im Rentenalter begonnen hat, die oftmals schwierige Arbeit. So fehle an vielen Orten nicht nur qualifiziertes Personal, sondern es fehlen auch Gesundheitseinrichtungen, Medikamente, medizinische Geräte, Operationssäle oder Narkoseeinrichtungen. Besonders schwierig gestaltete sich die Arbeit in Kivu, der seit Jahren umkämpften nordöstlichen Provinz im Kongo, berichtete Walter aus seinem Alltag während eines Einsatzes. „Da gab es schon häufig Schießereien und wir mussten Schusswunden behandeln!“ Dabei habe die Sicherheit der Mitarbeiter jedoch höchste Priorität.

Die Fotografien zeigten dann unter anderem ein karges Operationszelt mitten im afrikanischen Busch und eine überflutete Straße zum nächsten Gesundheitsposten. „Die fehlende Infrastruktur ist eines der größten Probleme", so Walters Erkenntnis. Der Mangel an Material und Gerät werde andererseits durch die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der einheimischen Bevölkerung ausgeglichen. „Ich habe immer wunderbar mit den dortigen Kollegen und Mitarbeitern zusammengearbeitet. Sie nannten mich Doktor Claus!“, erklärte der Dialog-Gast - was sicherlich auch an seiner sympathischen, und liebenswerten Art lag. Auf die Frage: „Würden Sie Ihre Einsätze als erfolgreich bezeichnen?“ antwortete Dr. Walter: „Erfolgreich ist eine zwiespältige Kategorie. Sinnvoll! Sinnvoll trifft es besser!“ 

Der „Dialog im Stift“ traf auf so großes Interesse, dass das Publikum sich einen weiteren Fotovortrag über den Alltag des Chirurgen wünschte.

Skr/24/07/15 


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