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29. Talk im KWA Parkstift Rosenau in Konstanz

Monique Würtz im Gespräch mit Wilderich Graf von und zu Bodman

Konstanz, 20. 5. 2015. Graf Wilderich? Ein schneller diskreter Klick aufs  i-Phone und schon herrscht Klarheit: Wilderich soll ein althochdeutscher Namen sein und bedeute so viel wie „der Willensstarke“. Klingt nicht schlecht für einen richtigen Grafen aus einem der ältesten Adelsgeschlechter zwischen dem Hegau, dem Bodanrück und dem Allgäu!!

Sozial, beliebt und viele Auszeichnungen

Der willensstarke Gast hat auch seine Frau Gräfin Claudia mitgebracht. Herbert Schlecht, Stiftsdirektor der Konstanzer Rosenau, begrüßt seine prominenten Gäste; dann nehmen Monique Würtz und der Graf auf der Bühne Platz: „Graf, bis nach Konstanz hat es sich herumgesprochen, was für ein hohes Ansehen Sie und Ihre Familie sich in und um Bodman-Ludwigshafen herum erworben haben! Sie haben bis zur Übergabe an Ihren ältesten Sohn Johannes vor ein paar Jahren nicht nur einen umfangreichen Landwirtschafts- und Forstbetrieb sehr erfolgreich umstrukturiert und vergrößert, Sie haben während Ihres gesamten Berufslebens auch viele Ehrenämter in der Kommunalpolitik und in der Kirche wahrgenommen, Ihnen war es immer ein Herzensanliegen, sich um Schutz und Pflege historischer Gebäude und Denkmäler im Besitz Ihrer Familie wie auch renovierungsbedürftiger Burgen, Schlösser und Kirchen in der Region zu kümmern. Die Zahl Ihrer Auszeichnungen ist eine Legion. Sie waren auch geschätzter Ratgeber der Landesregierung in Natur- und Umweltfragen. Wie haben Sie das alles unter einen Hut bekommen?“

Fröhliche Erinnerungen

Der Graf ist nicht nur willensstark, er ist auch ein geschätzter – weil geistvoll-witziger – Gesprächspartner und Geschichten-Erzähler! „Na ja“ – so beginnt er, da falle ihm zunächst die Zeit am Mindelsee auf Schloss Möggingen ein, wo er geboren wurde und bis nach Kriegsende mit den Eltern und zwei „nichtsnutzigen Brüdern“ unbeschwerte Kindertage verbracht habe. In den Wäldern um den Mindelsee habe es damals jede Menge Hinterlassenschaften abgerückter deutscher Soldaten gegeben – Panzerreste, alte Uniformteile, Autowracks. „Sachen eben, mit denen man prima spielen konnte". Aber auch richtig boshaft seien sie gewesen; so hätten die beiden größeren Brüder „ihrem Kleinen und Dritten im Bunde“ mit dem allergrößten Vergnügen beigebracht, wo immer eine Uniform auftauche, schön stramm die Hacken zusammenzuhauen, die rechte Hand  hoch zu halten und zackig „Heil dem Führer“ zu rufen. Tja, das habe der Kleine auch stolz gemacht – bis französische Besatzungs-Soldaten ins Schloss eingezogen seien. Die Episode soll „der Kleine“ später im Kreis von Freunden und Bekannten selbst immer wieder gern erzählt haben: „So haben sie mich in die Pfanne gehauen, die Burschen!“

Adoptiert?

Das Abitur hat er später in St. Blasien bei den Jesuiten gemacht. Er hat dann ein landwirtschaftliches Studium in Bonn und Stuttgart-Hohenheim absolviert, anschließend noch ein BWL-Studium „draufgesattelt“. Es folgten mehrere landwirtschaftliche Praktika in Nordrhein-Westfalen, in den USA, sowie weitere Aufenthalte in Indonesien und sogar in Japan. Die Manager-Karriere im Familienbetrieb hätte er – so sein Traum – zu gerne gegen eine internationale Diplomaten-Laufbahn eingetauscht, wenn da nicht „seine Adoption“ durch den kinderlosen Bruder seines Vaters – der Vater sei ein bekannter Ornithologe gewesen – im Wege gestanden hätte. Die Adoption sei der Königsweg gewesen, um die Nachfolge für den Bodmanschen Besitz am See in der Familie regeln zu können.

Tausendjähriges Familien-Universum

Monique berichtet von ihren Recherchen für das Gespräch mit dem Grafen und sie gesteht, sich fast „verheddert“ zu haben in dem „Universum“ der fast tausendjährigen Familien-Geschichte mit ihren vielen Namen, Seitenlinien, Jahreszahlen, Burgen-, Klöster- und Schlössernamen. „Können Sie uns allen mit nur einigen, markanten Namen und Zahlen helfen, wenigstens skizzenhaft die lange Geschichte ihrer Familie in und um Bodman zu verstehen?“

Seit mehr 800 Jahren lebe und wirtschafte die Familie wie ihre Vorfahren inzwischen auf dem nördlichen Bodanrück und am westlichen Ende des Überlinger Sees. Neben dem Getreideanbau kultiviere man Obst und auf einem etwa 1,5 Hektar großen Weinberg, dem "Königsweingarten“ werde immer noch – traditionsbewusst – der Blaue Spätburgunder angebaut , den König Karl III. im Jahre 884 dort eingeführt habe, neben etwas Müller Thurgau, die beide im Meersburger Staatweingut ausgebaut werden.

Unter König Pippin dem Kurzen – dem Vater Kaiser Karls des Großen – erlebt  Bodman im achten Jahrhundert politisch und wirtschaftlich eine Blütezeit am See.  Auf dem strategisch optimal gelegenen Höhenzug vor dem heutigen Ort lässt er eine Kaiserpfalz errichten, die in der Zeit zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert so bedeutend war, dass sie sogar dem See den Namen gegeben haben soll. Ihre Reste sollen um das Jahr 1000 von den Hunnen geschleift worden sein; irgendwann sei der Besitz um die alte Pfalz herum in Habsburgische Hände gelangt. 1277 sei „dieser ehemalige, aber wirtschaftlich eher bedeutungslos gewordene Königshof Bodman“ von Kaiser Rudolf von Habsburg an den Ritter Johann von Bodmann verpfändet worden. „Und weil die Pfandgeber es bis heute nicht geschafft haben, Ihr Pfand wieder auszulösen, sind wir von und zu Bodmans einfach hier geblieben!“

„Verwandt“ mit dem Bodensee

Monique möchte wissen, wann und wie der Name von und zu Bodman entstanden sei. Auch da hat der Graf eine witzige – vielleicht sogar richtige (?) Antwort parat: "Wann die Familie den Namen Bodman angenommen oder verliehen bekommen hat, liegt im Dunkel der Geschichte, aber das „von“ verweist auf die Familie von der Burg Bodman und das „zu“ wäre heute als ein "in Bodman" zu lesen, wo die Familie bis heute lebt; da aber der Bodensee keine Skrupel hatte – wie möglicherweise unsere „Vorfahren“, sich eine Namens-Anleihe beim kaiserpfälzischen Bodman zu holen, müssen wir Bodmans – ja wohl irgendwie  – auch mit unserem See verwandt sein.“

Die Geschichte von der getreuen Adelheid, vom kleinen Ritter Johannes und dem Kessel

Dann hat der Graf aber noch eine Geschichte parat. Und er erzählt: Ja, die Ritter von Bodman hatten sich im 12. Jahrhundert auf dem Höhenzug bei Bodman in einer kleinen Turmburg eingerichtet, der Frauenburg – außen von einem massivem Mauerkranz geschützt, aber innen nur mit Holz ausgebaut – neben den Resten der alten Kaiserpfalz. Am 16. 9. 1307 sei während eines Festes über der Burg ein heftiges Gewitter heraufgezogen; ein Blitzschlag habe die gesamte Anlage in Brand gesetzt. Sieben Mitglieder der Familie und drei Bedienstete seien zu beklagen gewesen. Das Unglück ist dokumentiert. Das Ende Geschichte – so der Graf – erzählt aber eine Legende: Überlebt hätten die Katastrophe nur drei:  Die getreue Amme Adelheid, der kleine Stammhalter Johannes und ein alter Kessel, in den – geistesgegenwärtig – die  gute Amme das Kind hineinsteckt und über die Burgmauer wirft, wo Kind und Kessel sanft in einem Gestrüpp landen. Der kleine Adlige wird gerettet.

 „Wenn Wahrheit und Dichtung mal gescheit kooperieren, kann auch mal was Rechtes dabei herauskommen“, so sei erwiesen, dass seine Familie wirklich vom geretteten Johannes abstamme. Der Kessel befindet sich im Schloss der Familie in Bodman „und wird von uns allen in Ehren gehalten!“ An dieses dramatische Ereignis erinnert auch heute noch die von der Familie zum Dank gestiftete Wallfahrtsstätte, Kloster Frauenberg, auf einem Hügel hoch über Bodman.

…einer, der’s nicht lassen kann!

„Die Leitung der gräflichen Betriebe liegt nun schon ein paar Jahre in den Händen Ihres ältesten Sohnes Johannes, der sich als moderner, dynamischer Manager des Familienvermögens  bewährt hat und  der auch keine Berührungsängste zu haben scheint, neue Aktivitäten ins Portfolio des Familienunternehmens zu integrieren. Damit haben Sie", so Monique Würtz, "viel mehr Zeit, sich um die Familie und ihre elf Enkelkinder zu kümmern. Wer sie näher kennt, weiß sehr wohl, dass Sie noch viele Projekt-Ideen umtreiben. Wie wäre es zum Schluss mit einem kleinen Vorgeschmack auf das, was Sie noch in Ihrem gräflichen Schilde führen?“

Er sei einer der Schirmherren des Orgelbau-Vereins der Kirche St. Gebhardt in Konstanz-Petershausen, deren Orgel nach einem Unwetter dringend erneuert werden müsse. Auch ein originalgetreuer Nachbau des romanischen Portals aus dem 12. Jahrhundert des früheren rechtsrheinischen Benediktikerklosters  Petershausen, von dem nur noch Reste bestehen, liege ihm und Gleichgesinnten sehr am Herzen. Eine passende Kopie für Konstanz vom Original im Karlsruher Landes-Museum zu bekommen sei heute – dank moderner Scanner-Technik – kein Problem mehr.

Wie könnte es auch anders sein? Auch seine Heimat um Bodman und ihre Weiterentwicklung zu einem kleinen aber feinen Tourismus-Zentrum am See hat er fest im Visier. „Da, wo Du Pfunde hast, musst Du klotzen!“ Mittels eines spektakulären Glasboden-Museums möchten er und seine Mitstreiter die prähistorischen Reste der Pfahlbauten auf dem Seegrund in der Bucht zwischen Bodman und Friedrichshafen zu einem richtigen  Tourismus–Highlight aufpeppen. „Die richtigen Sponsoren werden wir schon finden!“

Der Willensstarke? – Der humorvolle, liebenswerte Graf heißt nicht nur so, er ist auch „so einer“ und wie er später am Ehrentisch der Gäste vergnügt erzählt, gibt es noch viel  Geschichte und viele Geschichten aus und um Bodman zu erzählen; und auch noch viele Projekte, die er sich ganz fest vorgenommen hat – er, der Willensstarke, Wilderich Graf  von und zu Bodman!

 

Giselher Sommer                                                                                                                        

 

 

 

 

 


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