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Eine Ära geht zu Ende

Am 31. Juli verlässt auch der letzte Zivi das KWA Stift im Hohenzollernpark

Berlin, 21.04.2011. Seit dem 1. Februar 2011 ist Dorian Hartmann als Zivildienstleistender in der Haustechnik im KWA Stift im Hohenzollernpark tätig. Doch wenn er Ende Juli das Seniorenstift verlässt, wird es keinen Nachfolger mehr geben. Denn mit ihm geht eine Ära zu Ende. Mit der bundesweiten Aussetzung des Wehrdienstes zum 30. Juni wird künftig auch der Zivildienst wegfallen. Stiftsdirektorin Astrid Franz bedauert die Abschaffung: "Damit werden unserer Einrichtung wertvolle Arbeitskräfte genommen, für die im Moment kein Ersatz absehbar ist. Alle Beteiligten, die Zivis wie unsere Bewohner, haben in den letzten Jahren immer wieder wunderschöne Momente des Miteinanders erlebt, die ohne die Institution des Zivildienstes nie stattgefunden hätten. Es entsteht eine Lücke, die nur schwer geschlossen werden kann." 

Fünfzig Jahre ist es her, dass die ersten anerkannten Kriegsdienstverweigerer ihren "zivilen Ersatzdienst", wie er damals noch hieß, antraten. Seitdem hat sich der Zivildienst zu einer gesellschaftlich anerkannten Institution entwickelt, von der auch viele Einrichtungen der Altenhilfe profitiert haben. Doch damit ist nun Schluss. Für das KWA Stift im Hohenzollernpark bedeutet das, das mit Dorian Hartmanns Stelle noch vier weitere Zivildienststellen - zunächst einmal ersatzlos - gestrichen werden. Insgesamt waren in den letzten zehn Jahren mehr als 50 Zivildienstleistende im Berliner Stift tätig. Sie alle haben das Stiftsleben mit ihren Ideen bereichert, haben sich liebevoll um Senioren in der Tagesbetreuung gekümmert, die Mitarbeiter in der Haustechnik unterstützt, waren bei der Gartenpflege behilflich und, und, und. Die Zivis waren nicht mehr wegzudenken. Und alle Beteiligten haben davon profitiert: Die Senioren von der jugendlichen Unbekümmertheit und Unbefangenheit, die Jugendlichen von dem Wissen und den Erfahrungen der älteren Generation - und das Stift vom Engagement der Zivis. So manch einer von ihnen hat seine Erfahrungen auch für seine berufliche Zukunft genutzt und ist in der Altenpflege geblieben oder hat sein Faible für die Technik entdeckt bzw. weiter ausgebaut.

Der Verlust wiegt weit schwerer, als man denkt. So erledigt Dorian Hartmann beispielsweise nicht nur seine Zivildienstaufgaben, sondern engagiert sich noch darüber hinaus. Als Deutscher und Berliner Meister im Karate bietet er den Mitarbeitern des Seniorenstifts in seiner Freizeit ein kostenfreies Karate- bzw. Selbstverteidigungstraining an. Eine Gelegenheit für die Kolleginnen und Kollegen, etwas für Körper und Geist und zudem noch etwas für die eigene Sicherheit zu tun. Innerhalb kürzester Zeit hat das Training einen guten Zulauf bekommen. Einmal die Woche wird für anderthalb Stunden gesportelt. 

Dieses Engagement des 20-Jährigen ist nun aber bald beendet. Dann gilt es neue Kräfte über die Bundesfreiwilligenagentur zu erhalten. "Im Moment läuft die Vermittlung jedoch sehr zögerlich an. Konnten wir früher fest planen, so müssen wir heute zusehen, wie und ob wir zusätzliche Arbeitskräfte bekommen. Es entsteht ein nicht unerheblicher zusätzlicher Kostenfaktor, den es zu kompensieren gilt, ohne dass der Verlust in der Qualität spürbar wird", erklärt Astrid Franz weiter. Anders als der Zivildienst soll der Bundesfreiwilligendienst Männern und Frauen jeden Alters offen stehen. Bislang gibt es im Berliner Stift jedoch noch keine Bewerber. Man wird sehen, was die Zukunft bringt...

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